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der im mösischen Heere kämpfenden pannonischen Legionen, zwei Legionen aus der Rhein-
gegend versetzt, die wahrscheinlich in Altenburg lagerten. Dies beweist Vitrnvs Werk
i-e militari", aber auch zwei in das Gewölbe der Burgbastei eingemauerte römische
Inschriften, laut deren diese Legionen (X. Femina und XIV. Aemina ölartis victrix) der
Juno, Minerva und den übrigen römischen Gottheiten huldigten. Die Behauptung, daß die
Magyaren bei ihrer Einwanderung hier bereits eine Burg vorgefunden hätten, ist
geschichtlich so wenig erweisbar, als die, daß die Vorfahren der Hederväry Altenburg
erbaut haben. Die erste wichtigere Rolle Altenburgs fällt in die Zeit König Kolomans, in
das Jahr 1096, als die Scharen des ersten Kreuzzuges hier durchzogen.
Die ersten Kreuzfahrer unter Walter nnd Peter von Amiens, hielten auf ihrem
Marsche durch Ungarn gute Ordnung und begannen ihre Übergriffe erst bei Semlin;
allein schon die unter dem Priester Gottschalk stehende Schar beging solche Ausschrei-
tungen, daß Kolomau sich bewogen fand, der nachfolgenden Völkerwoge, zu deren Führern
der deutsche Graf Emiko von Leiningen gehörte, den Durchzug durch das Land zu ver-
weigern. Doch die Kreuzfahrer brauchten Gewalt und griffen das feste Wieselburg au,
dessen Vertheidiger, Koloman selbst, an der Spitze seines Heeres über sie herfiel und,
ihren panischen Schreck benützend, sie dermaßen aufs Haupt schlug, daß nur wenige wieder
heimfanden; die Übrigen kamen in den die Burg umgebenden Sümpfen und in der Leitha
um. Nach einer geschichtlich nicht erweisbaren Überlieferung ließ Koloman die Haupt-
leute der Kreuzfahrer auf dem jetzigen Kirchenplatze von Ungarisch-Altenbnrg henken.
Im XIII. Jahrhundert, als der Böhmenkönig Ottokar II. (1271) das Wieselburger
Comitat verheerte, wurde auch Altenburg vom ihm belagert und zerstört. Im Jahre 1289
belagerte es Herzog Albrecht von Österreich; obgleich durch Magister Bychou, Sohn
Sylvesters, heldeumüthig vertheidigt, wurde es genommen und der Commandant gefangen.
Im XIV. Jahrhundert begegnet man dem Namen Altenburgs häufig.
Ein bedeutsames Datum ist in der Stadtgeschichte das Jahr 1354; damals schenkte
die Königin-Witwe Elisabeth, Mutter Ludwigs des Großen, ihre Altenbnrger Besitzungen,
mit Ausnahme einer Mühle, den Einwohnern dieses Ortes, und verlieh ihnen überdies
die Befugnisse, deren bereits Ofen und andere Städte der Königin theilhaftig waren.
Ludwig der Große bestätigte diese Donation im Jahre 1357, die jedoch später sammt
allen zugehörigen Privilegien durch die Gesetzgebung nichtig erklärt wurde. Im XV. Jahr-
hundert gelangte Ungarisch-Altenbnrg als Pfandbesitz in das Eigenthum der reiche»
Familie Wohlfahrt, die dessen Einkünfte seit 1437 genoß, ja die Familie benützte sogar
das Prädikat „Oväri", ohne Rücksicht darauf, daß König Albert Altenburg im Jahre 1439
mit allen Appertinentien seiner Gemalin Elisabeth geschenkt hatte. Die einzige Tochter,
Jntka, des letzten Mannessprossen aus dem Hause Wohlfahrt war iu erster Ehe Gattin des
Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
Ungarn (4), Band 16
- Titel
- Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
- Untertitel
- Ungarn (4)
- Band
- 16
- Herausgeber
- Erzherzog Rudolf
- Verlag
- k.k. Hof- und Staatsdruckerei, Alfred von Hölder
- Ort
- Wien
- Datum
- 1896
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 15.18 x 21.71 cm
- Seiten
- 616
- Schlagwörter
- Enzyklopädie, Kronländer, Österreich-Ungarn
- Kategorien
- Kronprinzenwerk deutsch