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Vortragssprache am 6. November eröffnet. Als Director war Dr. Papst aus Hohenheim
berufen; neben ihm wirkten anfangs zwei ordentliche Professoren und zwei Hilfslehrer.
Die geregelte Thätigkeit der Anstalt war durch eine staatliche Jahresunterstützung von
17.000 Gulden gesichert. Im Jahre 1869, nach erfolgtem Ausgleich, gelangte das Institut
zwar unter die Jurisdiction der ungarischen Regierung, behielt aber noch eine Zeitlang
zum großen Theil seinen deutschen Charakter. Dann folgte die volle Gleichstellung der
ungarischen Lehrsprache mit der deutscheu und im Jahre 1874 wurde es zur Akademie
erhoben. Am Ende des Schuljahres 1883 bis 1884 hörte der Lehrgang in deutscher
Sprache auf und seither ist die Vortragssprache ausschließlich ungarisch. An dieser
bedeutenden Anstalt sind während ihres 76jährigen Bestandes 4.500 Landwirthe, darunter
etwa drei Viertel in Ungarn geborene, ausgebildet worden.
Das alterthümliche Schloß, an dem aber nur die Fa^ade ein alter Bau ist, während
die Seitenflügel und die Rückseite neueren Ursprungs sind, enthält gegenwärtig sehr
werthvolle Sammlungen, auch sind zur Unterstützung der Vorträge eine gut eingerichtete
Ökonomie von 382 Joch, Versuchsfelder und ein botanischer Garten von je 14 Joch
vorhanden. Die Zahl der ordentlichen und Hilfsprofessoren beträgt jetzt 18. Lehrplan
und Einrichtung stehen auf der Höhe der Zeit.
Dicht neben dem Schlosse befindet sich der innere Meierhof mit den Wohnungen
des Leiters und der Dienerschaft, mehreren Stallungen und den Milch- und Futter-
kammern. Es ist aber auch ein äußerer Meierhof vorhanden, an der Grenze der dem
Institut gehörigen Besitzung Marktau. Geht man von der Akademie durch das Basteithor
und über die den Schloßgraben überbrückende Steinstraße dem Städtchen zu, so erblickt man
eine große, elektrisch beleuchtete Mühle. Sie erhält die Triebkraft durch zwei Wasserräder
von 80 und 60 Pferdekräften, bei Wassermangel durch eine Anshilfs-Dampsmaschine
von 145 Pferdekräften. Die Mühle vermahlt größtentheils Weizen, dann Gerste und
Roggen. Sie steht, nebst der benachbarten Bierbrauerei, auf demselben Punkte, wo nach
dem ältesten Grundriß der Burg auch vor Alters eine Mühle und eine Brauerei standen.
Die jetzige Brauerei ist auf die Produktion von 35.000 Hektoliter Bier eingerichtet und
hat eine doppelte Braupfanne von 78 Hektoliter, einen Lagerkeller für 9.500 Hektoliter
und eine Malztenne von 896 Quadratmeter. Im Jahre 1892 verkaufte die Domäne
außer 228 Hektoliter Flaschenbier etwas über 30.000 Hektoliter Lager-, Märzen- und
Abzugbier.
In der Stadt erhebt sich am Deäk-Platze das herrschaftliche Schloß, in dem der
erzherzogliche Domänen-Direetor wohnt und die herrschaftlichen Ämter untergebracht sind.
Dieses stockhohe Gebäude von alterthümlichem Aussehen hat schon viele hohe Gäste
beherbergt; es war auch der Schauplatz des sogenannten „Preßburger" Friedensschlusses.
Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
Ungarn (4), Band 16
- Titel
- Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
- Untertitel
- Ungarn (4)
- Band
- 16
- Herausgeber
- Erzherzog Rudolf
- Verlag
- k.k. Hof- und Staatsdruckerei, Alfred von Hölder
- Ort
- Wien
- Datum
- 1896
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 15.18 x 21.71 cm
- Seiten
- 616
- Schlagwörter
- Enzyklopädie, Kronländer, Österreich-Ungarn
- Kategorien
- Kronprinzenwerk deutsch