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schönen Stall für 200 Kühe besitzt, liegt nächst der Eisenbahnstation. Einen interessanten
Theil dieses bis an den torfigen Hansag reichenden Prädinms bildet das einst viel
genannte Bordacs, wo in der Glanzzeit der Merinozucht Original-Leoner und später
Escnrial-Schase gezüchtet wurden, während jetzt von Wieselburg alljährlich über
700.000 Liter Milch nach Wien gehen. Westlich von hier, in der Nähe der Ortschaften
St. Peter (Szent-Peter) und St. Johann (Szent-Jänos) liegt die ebenso ausgedehnte
erzherzogliche Besitzung Kaiserwiese (Csaßärröt). Fährt man mit der Eisenbahn gegen
Raab, so sieht man den Schlot der nach kurzem Bestände eingegangenen Szent-Miklöser
Zuckerfabrik ragen, deren Bau jetzt zu einer Dampfmühle umgestaltet ist.
Auf der Weiterfahrt erscheint die merkwürdige kleine Ortschaft Lebeny, eine
blühende Gemeinde mit 2.969 meist magyarischen Einwohnern und jener berühmten
romanischen Kirche, die zu den Meisterbauten Ungarns gehört. Das Benediktinerkloster
wnrde in den ersten Jahren des XIII. Jahrhunderts durch Mitglieder des Geschlechtes
Györ zu Ehren des Apostels St. Jacobns gestiftet. Wann die Kirche erbaut wurde, ist
nicht genau zu bestimmen. Nach der Schlacht bei Mohäes fühlten sich die Benediktiner
an diesem offenen Platze nicht sicher und verließen ihr Kloster. Zu Anfang des XVII. Jahr-
hunderts steht Lebeny unter dem Abt von Martinsberg, Georg Himmelreich, der es feinem
Verwandten Stephan Baksay hinterließ oder nach Fuxhoffer verkaufte. Dieser gab es dann
an die Raaber Jesuiten weiter, die hier ihre Ferien verbrachten. Als aber nach 1784 die
Kirche, ferner ein Theil von Leböny, Sövenyhäza, nebst der Pußta vou Barätföld
Kameralgut wurde, konnte die Kirche dem traurigen Lose der Verunstaltung nicht entgehen.
Das herrliche Portal wurde überweißt, die Kirche selbst dergestalt restaurirt, daß im
Inneren die romanischen Details nur in der Sacristei und am Sockel des Sanetnarinms
unversehrt blieben. Anch war die Kirche während dieser Zeit geschlossen. Von der Kammer
ging die Herrschaft Szent-Miklös sammt Lebeny durch Tausch an die gräfliche Familie Zichy
über. Unter dieser brannte (1841) die Kirche neuerdings ab, worauf wiederholt ihre völlige
Abtragung und die anderweitige Verwendung ihres Baumaterials angeregt wurde. Die
Familie Zichy verkaufte Lebeny-Szent-Miklös an den Baron Sina, auf den also auch
das Patronat der Kirche überging, und nun begann für diese eine neue Epoche.
Alsbald ging man an die Restaurirung der Kirche. Das Innere wurde von der
Tünche befreit, die beschädigten Capitäle und Säulen ergänzt und die Ziegel durch
Ouaderu ersetzt. Obgleich aber Baron Sina großherzig zu den Kosten der Wiederherstellung
beitrug, hätte dies nicht genügt, wenn nicht die Lebenyer selbst über 17.000 Gulden für
die innere Ausstattung beigesteuert hätten. Nachdem das Innere künstlerisch wiederher-
gestellt war, schritt man an die Restaurirung des Äußeren. Zu diesem Zwecke setzte der
Verwaltungsausschuß des Comitats eine Commission nieder, welche die Erneuerung nach
Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
Ungarn (4), Band 16
- Titel
- Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
- Untertitel
- Ungarn (4)
- Band
- 16
- Herausgeber
- Erzherzog Rudolf
- Verlag
- k.k. Hof- und Staatsdruckerei, Alfred von Hölder
- Ort
- Wien
- Datum
- 1896
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 15.18 x 21.71 cm
- Seiten
- 616
- Schlagwörter
- Enzyklopädie, Kronländer, Österreich-Ungarn
- Kategorien
- Kronprinzenwerk deutsch