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zeigt man pietätvoll das Stübchen, worin der letzte Habsburger, auf herbstlicher Jagd
erkältet, schwer krank lag, bis er nach Wien geschafft wurde, nur um dort zu sterben am
12. November 1740.
An Holz ist das Wieselburger Comitat gegenwärtig arm, da nur 5 82 Proeeut
seines Gebiets vou Wald bedeckt sind. Selbst der Waldbestand der erzherzoglichen Domäne
ist verhältnißmäßig gering, obgleich sie wie in der Vergangenheit so anch jetzt der
Anfforstnug alle Sorgfalt zuwendet.
Die größeren Waldkomplexe sind jetzt: der sogenannte Karlswald, der Ragendorfer
Wald und nördlich von Ungarisch-Altenbnrg der Lovärwald; der Wald von Halbthnru ist
jetzt nur 37 Joch groß. Ehedem war das Comitat viel waldreicher, und zwar nicht nur als
uoch König Salomou in den Auwäldern um Ungarisch-Altenbnrg jagte, oder als in der
Nähe von Kirälyerdö und Goyß königliche Lnsthänser standen, sondern noch im vorigen
Jahrhundert.
In den Wäldern von Edelsthal, Znrndors, Haläßi und Halbthnrn, in den Urwäldern,
welche Birken, Erlen und Weiden im Gelände des Nensiedlersees bildeten, fanden sich genug
Rothwild, Hirsche und Rehe, und an mehreren Stellen bestanden anch Fasanerien. Eine
solche besteht auch jetzt im erzherzoglicheu Walde bei Halbthnru. Hasen gibt es in der
Gegend so viele, daß auf einer Treibjagd 1000 bis 1500 geschossen werden, die sämmtlich
nach Wien gelangen.
Das am südwestlichen Seeufer, schon weit drin im Ödenburger Comitat gelegene
Wolss (Bals, früher Farkasd) soll seinen Namen von dem im dortigen Röhricht und
Buschwald einst häufigen Raubwild herschreiben, neben dem es auch viel Füchse gab.
Die königlichen Jäger wurden jedoch in diese Gegend mehr dnrch das Wasserwild,
die Unmasse von Gänsen, Enten, Schnepfen, Reihern, ja Schwänen gelockt. Am 18. Juli
1854 jagte auch Se. Majestät bei Pamhageu, wo der See stets am tiefsten zu sein pflegt,
auf Wassergeflügel.
Maria Theresia hielt sich, wie erwähnt, wiederholt im Schloß zu Halbthuru auf
und machte vou da aus, mittelst des zu diesem Zweck ausgeführten Fahrdammes, ihre
Besuche in Eßterhäza. Auch Ferdinand V. mit seiner Gemaliu Königin Karoline sah am
9. Juni 1839 ini Saale des Schlosses vergnügt dem feurigen Tanze der Wüst-
Sommereiner Pärcheu zu.
In dieser Gegend stand einst die Ortschaft Vizenällö-Geßternieze, die in der
Türkenzeit zu Grunde ging; an derselben Stelle siedelten nach Vertreibung der Türken die
Esterhäzy magyarische Bewohner an, die nun bereits 928 Köpfe zählen und besonders im
Korb- und Mattenflechten bewandert sind. Es werden von hier jährlich an 20.000 Körbe
znmeist nach Wien, Budapest und Preßburg verkauft.
Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
Ungarn (4), Band 16
- Titel
- Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
- Untertitel
- Ungarn (4)
- Band
- 16
- Herausgeber
- Erzherzog Rudolf
- Verlag
- k.k. Hof- und Staatsdruckerei, Alfred von Hölder
- Ort
- Wien
- Datum
- 1896
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 15.18 x 21.71 cm
- Seiten
- 616
- Schlagwörter
- Enzyklopädie, Kronländer, Österreich-Ungarn
- Kategorien
- Kronprinzenwerk deutsch