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Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild - Ungarn (4), Band 16
Seite - 468 -
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468 In dieser Urkunde wird dem Orden das Doppelamt übertragen, der Jugend Erziehung und Mittelschul-Uuterricht zu bieten, aber anch der Seelsorge obzuliegen. Seiner Lehrpflicht kommt der Orden in den Obergymnasien zu Raab, Ödenbnrg und Gran, sowie in den Untergymnasien von Papa, Komorn und Güns, seinem geistlichen Amte aber in 25 Kirchen nach, deren 15 direct der bischöflichen Jurisdiktion des Erz- abtes unterstellt sind. Dieser älteste kirchliche Bezirk des Landes, dessen Oberpriester der Erzabt ist, genießt volle Unabhängigkeit von jeder Diöcese und steht blos unter der Oberhoheit des heiligen Stuhles zu Rom. Der Erzabt verrichtet — mit Ausnahme der Priester- und Ölweihe — bischöfliche Agenden; er hat einen Generalvicar und einen eigenen heiligen Stuhl; sein Titel als Erzabt stammt von Wladislaw II. und seit Maria Theresia ist er Mitglied des Magnatenhauses. Der Erzabt wird nach einem von den Ordensmitgliedern ausgegangenen Ternavorschlag durch die Krone ernannt. Auf Grund eines ähnlichen Vorschlages der Ordensmitglieder werden auch die Filialübte zu Bakonybel, Zalavär, Tihany und Dömölk durch den Erzabt ernannt und durch Seine Majestät bestätigt. Der Erzabt residirt in Martinsberg. Dieser schöne Punkt des Raaber Comitats liegt zwei Stunden südlich von Naab. In sanfter Windung schlängelt sich die Straße zu der „Burg" hinan, wie das Volk das Gebäude der Erzabtei nennt, das in der That durch Basteien, Mauerthürme und beider- seits des Hofthores noch sichtbare Schießscharten ein burgmäßiges Ansehen erhält. Feuer und Schwert haben diese Mauern im Laufe der Jahrhunderte wiederholt in Trümmer gelegt, doch sind sie stets wieder erstanden. Der Haupttheil des jetzigen Gebäudeblocks ist die in der Mitte emporragende Kathedralkirche, die an ihrer ursprünglichen Stelle unter dem Abt Urias im Übergangsstil des XIII. Jahrhunderts erbaut wurde. Das Chorende blickt gegen Osten, das an der Südfront angebrachte Festportal führt in das Erzkloster, der Haupteingang öffnet sich von Westen her. Das Festportal ist zu Anfang des XVII. Jahr- hunderts erbaut, das Hauptthor mit der Fa^ade und dem darüber aufsteigenden Thurm erst in unserem Jahrhundert und demgemäß dem Baustil der Kirche fremd. Das Kirchen- innere zerfällt in drei durch Säulen getrennte Schiffe; unter dem erhöhten Thor befindet sich eine Unterkirche von herrlicher Arbeit. Die stilgerechte Erneuerung der Kirche wurde durch den Erzabt Ehrysostomus Krueß mit seltenem Kunstsinn und großen Kosten durchgeführt. Sein Nachfolger, Claudius Vaszary, der jetzige Cardinal-Fürstprimas von Ungarn, verwendete auch große Sorgfalt auf die Kunstdenkmäler der Abtei. An die Kirche stößt nördlich der mächtige Bibliotheksbau. Den Grund zur Bibliothek legte König Ladislans der Heilige durch die Schenkung von 72 Büchern; gemehrt wurde sie im XII. Jahrhundert durch Adalbert, der seine Bücher testamentarisch der Abtei
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Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild Ungarn (4), Band 16
Titel
Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
Untertitel
Ungarn (4)
Band
16
Herausgeber
Erzherzog Rudolf
Verlag
k.k. Hof- und Staatsdruckerei, Alfred von Hölder
Ort
Wien
Datum
1896
Sprache
deutsch
Lizenz
PD
Abmessungen
15.18 x 21.71 cm
Seiten
616
Schlagwörter
Enzyklopädie, Kronländer, Österreich-Ungarn
Kategorien
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