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vermachte. Neue Schenkungen folgten, zumeist aber waren es Ankäufe, durch die sich die
Zahl der Bücher später auf etwa 100.000 hob. Jncunabeln und Handschriften gibt
es 1211. Der prächtige Büchersaal ist 1" - sörmig angelegt, mit Seiten- und Oberlicht;
in seinen Nebenräumen sind Sammlungen von Gemälden, Alterthümern, Münzen und
Pflanzen untergebracht.
Von der Südseite der Kirche zum Wohngebäude des Erzabtes führt ein aus der
zweiten Hälfte des XV. Jahrhunderts herrührender, vor kurzem schön erneuerter Kreuz-
gang. In den übrigen Theilen des Gebäudes befinden sich das Oratorium, große Depöt-
räume, das mit Fresken und anderem Zierrath geschmückte Resectorinm, die Wohnungen
der Ordensmitglieder, Gastzimmer und Schulränme. Das Kloster hat auch eine Lehrer-
bildungsanstalt für seine eigenen Zöglinge, eine theologische Lehranstalt und ein Haus-
Lycenm. Unter seinen Kunstschätzen ist besonders der durch Königin Gisela gestickte Mantel,
das heißt ein genaues Abbild des Krönungsmantels, bemerkenswerth. Die Hauptmerk-
würdigkeit des Archivs ist eine Urkunde aus dem Jahre 1001, die als kostbarer Schatz
verwahrt wird. Einige ungarische Historiker bezweifeln übrigens die Echtheit dieses
Schriftstückes.
Von Martinsberg aus überblickt man eine fruchtbare, von Höhen umkränzte Ebene.
Die Hauptpunkte dieser Gegend sind im Raaber Comitat: Martinsberg (Szent-Märton),
am westlichen Fuße und zum Theil am Abhänge des Martinsberges erbaut. Einst hieß
es Alsok und war die Wiege des gleichnamigen Geschlechtes. Den jetzigen Namen führt
es seit dem XVI. Jahrhundert. Es hat über 3000 Einwohner, die sich dem Gewerbe und
Ackerbau widmen. Südwestlich von Martinsberg liegt in einer kesselsörmigen Mulde
Ravazd. Eiust lag in dieser Gegend eine römische Eolonie Sabaria. Bei Ravazd sprudelt
der sogenannte „Brnnnen Bela's", eine Quelle, an welcher der von den Mongolen
verfolgte König rastete und „von Urias, Abt zu Martinsberg, das Darlehen von 800 Mark
Silbers entgegennahm".
Nordwestlich von Ravazd folgen der Reihe nach: Nagy-^cs, der uralte Stamm-
sitz des gleichnamigen Geschlechtes, das einst den Kanizsay gehörige Nagy- und Kis-
Baräth, ferner Csanak, In der Nähe des letzteren erhebt sich der kleine Hügel
„Kirälyszek" (Königsstnhl), wo König Bela IV. im Jahre 1244 Gerichtstag hielt.
Von den Höhen bei Csanak herab eröffneten am 14. Juli 1809 die Franzosen ihr
mörderisches Gefchützfener gegen das bei Kis-Megyer ungünstig aufgestellte ungarische
adelige Jusurrectionsheer.
Die Landstraße von Csanak südwärts nach Papa läuft über Szemere, Teth
und Gyarmath; westlich von ihr liegt Koronezö, östlich Felpeez, Gyömöre und
Kajär. Szemere war im XIII. Jahrhundert Besitzthnm der gleichnamigen Familie;
Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
Ungarn (4), Band 16
- Titel
- Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
- Untertitel
- Ungarn (4)
- Band
- 16
- Herausgeber
- Erzherzog Rudolf
- Verlag
- k.k. Hof- und Staatsdruckerei, Alfred von Hölder
- Ort
- Wien
- Datum
- 1896
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 15.18 x 21.71 cm
- Seiten
- 616
- Schlagwörter
- Enzyklopädie, Kronländer, Österreich-Ungarn
- Kategorien
- Kronprinzenwerk deutsch