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Alapy Balassa, Czobor, Csitväm, Förkeny, Gyimöthy, Gyömörei, Kapi, Megyer,
Mindszenthy, Nemay, Selyem, Täpi u. s. w. sind alte Familien, während die Bay, Bareza,
Bezeredj, Enessey, Földväry, Gyapay, Horväth, Kälöczy, Lippay, Matkovich, Milkovich,
Pnrgly, Sebö, Szalacsy, Szlnha, Zämory und Andere noch jetzt reich begütert und am
öffentlichen Leben stark betheiligt sind.
Der kirchlichen Verwaltung nach stehen die Römisch-Katholischen der Kleinen Schütt
und des Csilizköz unter der Jurisdiktion des Graner Erzbischofs, sieben Gemeinden unter
der des Erzabtes von Martinsberg, die übrigen Theile des Comitates unter der des
Raaber Bischofs. Die Evangelischen stehen unter dem in Raab residirenden Bischof für
das Land jenseits der Donau, die Resormirten gehören znm Kirchendistrict von Revko-
marom. Die größte israelitische Cultusgemeinde ist die mit der Raaber Gemeinde ver-
einigte zu Györßiget.
Die königliche Freistadt Raab (Györ) ist der Mittelpunkt des politischen, geistigen
uud socialen Lebens, der ständige Markt aller Produete des Comitates.
Wo die Raab und Rabnitz sich vereint in die Kleine Donau ergießen, stand schon in
alter Zeit eine Stadt, die den keltischen Namen Arrabona führte. Auch in der Römerzeit
hieß sie so und hatte, obgleich zu der von Bregetio (5>Szöny) bis Vindobona (Wien)
reichenden Kette von Forts gehörig, doch mehr kaufmännische als militärische Bedeutung.
In der Völkerwanderungszeit war sie ein Avarenring, der von Karl dem Großen erstürmt
wnrde. Ihre weitere Geschichte bis zur magyarischen Eroberung ist dunkel.
Im X. Jahrhundert ist sie ein Fort, an dessen Thore König Stesan ein Stück
von der Leiche des geviertheilten Empörers Koppäny aufhängen läßt. Da dies zur
Abschreckung Anderer geschah, scheint es, daß in der Raaber Gegend das noch ain alten
Glauben hängende und für die Stammesverfafsung kämpfende Magyarenthum massenhaft
gewohnt hat.
Bei der Organisirnng des Landes wurde iu Raab eine mne Burggespanschaft
errichtet. Stefau stiftete dort auch ein Bisthum und von da an spielte die Stadt eine ständige,
oft wichtige Rolle im kirchlichen und staatlichen Leben Ungarns. Raab sah Reichstage
abhalten und beherbergte Könige, die ihm Privilegien verliehen; seine Bischöfe beschwich-
tigten streitende fürstliche Verwandte, eiferten für den Glauben, pflegten die Wissenschaft
und starben, wenn das allgemeine Beste ein Blutopfer verlangte, als Helden auf dem
Schlachtfelds.
Wichtige Privilegien erhielt die Stadt von Stefan V. (1271), namentlich die für
ewige Zeiten erklärte Exemtion der Bürger von Urtheil, Gesetzschöpfung und Machtkreis
des Ober- und Vizegespans, dann die Besngniß, ihren Richter selbst zu wählen, die
Befreiung von Manth und Kriegsdienst; überdies erhielten sie Landbesitz und das Recht
Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
Ungarn (4), Band 16
- Titel
- Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
- Untertitel
- Ungarn (4)
- Band
- 16
- Herausgeber
- Erzherzog Rudolf
- Verlag
- k.k. Hof- und Staatsdruckerei, Alfred von Hölder
- Ort
- Wien
- Datum
- 1896
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 15.18 x 21.71 cm
- Seiten
- 616
- Schlagwörter
- Enzyklopädie, Kronländer, Österreich-Ungarn
- Kategorien
- Kronprinzenwerk deutsch