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bis vor einigen Jahren die seither aufgehobene königliche Rechtsakademie, jetzt ist darin
eine staatliche Töchterschule untergebracht.
Die Rechtsakademie wurde 1769 durch Maria Theresia gegründet; Josef II. verlegte
sie 1785 nach Fünfkirchen, doch kam sie schon unter König Franz nach Raab zurück und
erfreute sich stets des besten Rufes. Von 1848 an war sie zwei Jahrzehnte lang außer
Wirksamkeit; erst 1867 wurde sie wieder activ, schließlich aber durch den Unterrichts-
minister August Tresort ansgehoben.
Uuweit des ehemaligen Rechtsakademiegebäudes zieht die östliche Grenze der
inneren Stadt, während die westliche mit der hübschen Klosterkirche der Carmeliter an der
Raab ihr Ende erreicht.
An die innere Stadt schließen sich zwei neuere Stadltheile, im Südeu die Ferdinand-
stadt, im Süden und Osten die Franzstadt. Sie haben gleich der inneren Stadt breite,
gerade Straßen. Die Ferdinandstadt ist der am schönsten entwickelte Theil von Raab;
hier entstanden in neuerer Zeit die schönen Gebäude der Staats-Oberrealschule, der
königlichen Tafel und des Gerichtshofes; auch das neue Rathhaus soll hier errichtet
werden.
In der Franzstadt befinden sich die Lehrer- und Lehrerinnen-Bildungsanstalt;
die erstere ist eonfessionell und wird durch den Bischof erhalten, die letztere hingegen
ist staatlich.
Die Ferdinands- und Franzstadt sind durch die Barossgasse getrennt, über deren
Mündung nach der inneren Stadt hin früher der Stadtthurm oder Feuerthurm empor-
ragte, genau an der Stelle, wo Schwarzenberg und Pälssy, die Befreier Raabs, in die
Festung eindrangen. Der. Verkehr zog früher unter dem doppelten Thorbogen des
Thurmes durch; vor kurzem jedoch wurde dieser aus Sicherheitsrücksichteu abgetragen.
Die Neustadt ist von den erwähnten drei Stadttheilen durch die Raab, die Palatinal-
stadt aber durch den Marktplatz getrennt. Die Neustadt entstand in der ersten Hälfte des
XVI. Jahrhunderts, indem die Bevölkerung des Comitats und die Flüchtlinge aus den
benachbarten, den Türken unterworfene« Gebieten hier unter den Wällen der Festung
Raab Schutz gegen türkische Verfolgung und Verwüstung suchten. Anfangs hieß sie
Ujfalu (Neudorf), doch schon im Jahre 1572 Ujväros (Neustadt). Sie war bereits durch
eine Brücke mit dem Inneren der Stadt verbunden; jetzt sind drei Eisenbahnbrücken
vorhanden.
In der Neustadt befinden sich die Bethäuser und Elementarschulen der verschiedenen
Bekenntnisse. In dem mächtigen Conventgebäude der Evangelischen bestand bis vor
wenigen Jahren auch ein Untergymnasium, zu dessen Lehrkörper einst der treffliche
Schriftsteller Johann Kis gehörte. Diese Anstalt ist aufgehoben.
Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
Ungarn (4), Band 16
- Titel
- Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
- Untertitel
- Ungarn (4)
- Band
- 16
- Herausgeber
- Erzherzog Rudolf
- Verlag
- k.k. Hof- und Staatsdruckerei, Alfred von Hölder
- Ort
- Wien
- Datum
- 1896
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 15.18 x 21.71 cm
- Seiten
- 616
- Schlagwörter
- Enzyklopädie, Kronländer, Österreich-Ungarn
- Kategorien
- Kronprinzenwerk deutsch