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Der Ursprung von Györßiget fällt in die zweite Hälfte des XVI. Jahrhunderts. Es
war Besitzthum des Raaber Bischofs und hieß daher einstens Piispök-Szigeth (Bischofsinsel).
Zwischen Gewässern gelegen, war es häufig durch die Donau oder Rabnitz überfluthet,
erstand jedoch immer wieder und ist jetzt eine der hübschesten Ortschaften des Landes. Die
Hauptstraßen sind gepflastert und mit Gas beleuchtet, es hat eine Wasserleitung, Fabriken
für Essig, Hl und Coakes, ein von Johann Simor, zur Zeit, als er Raaber Bischof war,
gegründetes Krankenhaus u. f. w. Die Einwohner betreiben Industrie, Handel nnd
Gartenbau. Ihre Lebensweise ist städtisch.
Revsalu hieß ehemals Tökes, führte aber schon im XIV. Jahrhundert seinen
jetzigen Namen. Es war gleichfalls eine Besitzung des Raaber Bischofs. Da es dicht bei
Raab liegt, theilte es immer dessen Geschicke und wurde mehrmals durch Feindeshand
zerstört. Gegenwärtig ist es von Bauern, Gewerbetreibenden, Schiffern und Fischern
bewohnt.
Die natürliche Lage Raabs in fruchtbarer Umgebung, an einer den Verkehr
fördernden Wasserstraße wies seine Bevölkerung auf den Handel hin. In der Arpädenzeit
war hier ein Stapelplatz für Waaren. Auch später blieb der Handel die Hauptbeschäftigung
eines Theiles der Bewohner. Die neue Blüte Raabs beginnt in der ersten Hälfte unseres
Jahrhunderts und gipfelte in den Sechziger-Jahren, wo sein Getreidemarkt den der
Landeshauptstadt weit übertraf. In neuerer Zeit mußte es zwar einen Theil seines Handels
der allgemeinen Verkehrspolitik des Landes opfern, ist aber trotzdem noch immer ein recht
wichtiger Platz. Sein Schweinehandel ist beträchtlich, seine Märkte sind stark besucht. Ein
großer Theil der Einwohner ist gewerblich beschäftigt. Das Handgewerbe ist hier alt und
seine Erzeugnisse zeichnen sich durch Sauberkeit und Geschmack aus, besonders die der
Tischler, Schlosser, Schuhmacher und Schneider. Die Wagenfabrikation und Öfenindustrie
sind gleichfalls zu loben, desgleichen die Geschicklichkeit der Baumeister und Steinmetze;
die Zuckerbäcker und Bäcker arbeiten tadellos. Neuestens sind viele Fabriken entstanden für
Spiritus, Pottasche, Leder, Öl, Mehlspeisen, Talg, Zündhölzchen, Ziegel, Schiffe, Stärke
und landwirthschaftliche Maschinen. Raab ist Sitz einer Gewerbe- nnd Handelskammer,
sowie hervorragender Geldinstitute. Landwirthschaft betreibt nur ein Theil der Neustadt
und Palatinalstadt, die sogenannten „Fahrbauern" (s?ekeres F»2<Iäk).
Auch dieZahl und Bedeutung seiner Culturinstitute macht Raab zu einer bevorzugten
Stadt. Neben ausreichenden Elementar- und Mittelschulen finden sich da: das besonders
an Antiquitäten reichhaltige Museum der Benediktiner, ihre etwa 16.000 Bände starke
Haus- und Lehrbibliothek, dann die ansehnlichen Bibliotheken des größeren Seminars
(32.000 Bände), der Carmeliter und des Lesevereins. Es bestehen vier Buchdruckereien
und vier Localblätter. Das größere wie das kleinere Seminar hat einen ungarischen
Ungarn IV. 31
Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
Ungarn (4), Band 16
- Titel
- Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
- Untertitel
- Ungarn (4)
- Band
- 16
- Herausgeber
- Erzherzog Rudolf
- Verlag
- k.k. Hof- und Staatsdruckerei, Alfred von Hölder
- Ort
- Wien
- Datum
- 1896
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 15.18 x 21.71 cm
- Seiten
- 616
- Schlagwörter
- Enzyklopädie, Kronländer, Österreich-Ungarn
- Kategorien
- Kronprinzenwerk deutsch