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Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild - Ungarn (4), Band 16
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490 Frankreichs und Deutschlands anwesend, ferner Thomas Bakocs, Primas von Gran, Palatin Emerich Perönyi und Andere. Einmal noch begegnen wir, vor der Katastrophe von Mohäcs, dem Namen Totis. Ludwig II. ließ Solimans Gesandten, den Tschansch Behram, angeblich in der Totiser Burg gefangen setzen, und dies wäre nach Mancher Meinung der Anlaß zum Ausbruch jenes so verhängnißvollen Krieges gewesen. Doch hat sich diese Meinung nenestens als unrichtig erwiesen. An der östlichen Bastei der Burg bezeichnet eine Marmortafel den Punkt, wo der Sage nach Tschausch Behram hinab- gestürzt wurde. Während der Türkenherrschaft befand sich Totis bald in türkischen, bald in deutschen Händen. Soliman ließ im Jahre 1543 den prächtigen königlichen Palast einäschern, Stadt und Burg aber völlig zerstören. Im Jahre 1597 nahmen Niklas Pälffy und Johann von Pernstein die Burg den Türken wieder ab, und sie konnte von da an ungestört ihrem rechtmäßigen König huldigen, war jedoch durch die unablässigen Kriege in einen traurigen Zustand gerathen. Zum letzten Male wurde sie durch die Schaareu Franz Räköczi's II. genommen. Im Jahre 1707 eroberte das Heer Josefs I. sie wieder zurück, trug jedoch die Basteien und Wälle ab, und so hörte Totis auf, königliche Burg zu sein. Nach diesen Ereignissen war die Domäne Totis eine Zeit lang Eigenthum einer Wiener Familie Krapf, welche sie im Jahre 1727 um 343.524 Gulden an den Grafen Josef Esterhazy verkaufte. Seitdem gehört die umfangreiche Herrschaft ständig dieser Familie. Graf Josef Esterhazy, der „zweite Begründer von Totis", ließ nichts unversucht, um die ausgestorbene Stadt zu neuem Leben zu erwecken. Vor Allem ließ er die Totiser Gewässer regnliren, dann die Sümpfe von Füztö, Naszäly und Almäs mittelst eines Kanalsystems nach der Donau entwässern. So gewann er mehrere Tausend Joch ertrags- fähigen Bodens. Die stark gelichtete Bevölkerung vermehrte er durch Ansiedlnng von Deutschen. Den Ansiedlern sicherte er Ländereien nnd Steuerfreiheit. Mit Kolonisten aus Hannover, Westfalen und Elsaß besiedelte er Tolna, Felsö-Galla, Also-Galla, Somlyö, Szentmiklos und Totis. Diese Fremdlinge sind seither größtentheils nicht nur der Gesinnung, sondern auch der Sprache nach richtige Magyaren geworden. Das segensreiche Werk Josef Esterhäzy's wurde durch seine Nachkommen fortgesetzt. Was Totis heute an Sehenswürdigkeiten besitzt, das dankt es Alles der Freigebigkeit dieser Familie. Graf Karl Esterhäzy, Bischof von Erlau, erbaute die große und schöne Hauptkirche, die würdige Genossin der Kirchen von Päpa und Csäkvär, die sie aber an Schönheit der Lage übertrifft. Die Esterhäzy erbauten das Gymnasium und die Kirche der Piaristen, sie legten den großartigen Park an, errichteten das Schloß und die Majolika- fabrik, die zu Anfang dieses Jahrhunderts noch in Blüte stand nnd deren Erzeugnisse mit der Holitscher Majolika wetteiferten.
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Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild Ungarn (4), Band 16
Titel
Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
Untertitel
Ungarn (4)
Band
16
Herausgeber
Erzherzog Rudolf
Verlag
k.k. Hof- und Staatsdruckerei, Alfred von Hölder
Ort
Wien
Datum
1896
Sprache
deutsch
Lizenz
PD
Abmessungen
15.18 x 21.71 cm
Seiten
616
Schlagwörter
Enzyklopädie, Kronländer, Österreich-Ungarn
Kategorien
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