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80.000 bis 100.000 Gulden, ja mancher sogar noch mehr kostet, den Fachmann aber
überkommen die vielen Erinnerungen, die sich an diesen Stall knüpfen. Hier stand — nm
nur einige zu erwähnen — durch eine lange Reihe von Jahren das glorreichste der
glorreichen Pferde, der „alte" Buccaueer, und zwar vom 15. November 1865 bis Mitte
April 1887, als er, unter der bei Pferden ungewöhnlichen Last von 30 Lebensjahren
zusammengebrochen auf die thierärztliche Akademie zu Budapest geschafft wurde, um dort
von der Krankheit des Greifenthums befreit zu werden. Seine Abkömmlinge haben auf den
Rennbahnen Englands und des Coutinents selbst in den vornehmsten Rennen den reichsten
Lorbeer für die ungarische Pferdezucht geerntet, das überaus zahlreiche Halbblut aber,
das aus seinem Blute hervorgegangen, ist die Blüte des ungarischen Zuchtmaterials
geworden, eine Quelle des Nutzens für die Besitzer von Privatgestüten, wie für den kleinen
Züchter. Dieser mittelbare Nutzen beläuft sich auf Millionen, aber auch sein unmittelbarer
Nutzen war, wie aus einigen Ziffern hervorgehen mag, ein gewaltiger. Der Hengst
wurde um 2.600 Pfund Sterling und eine Vollblutstute gekauft; dafür brachte er dem
Kisberer Gestüt an Beschälgebühren und blos für seine Vollblutfohlen — also die große
Zahl seiner Halbblut-Sprößlinge nicht gerechnet — 470.675 Gulden, während seine
Fohlen auf den Rennbahnen von England Frankreich, Deutschland und unserer Monarchie
über 2 Millionen Gulden an Preisen gewannen.
Und in dem nämlichen Stalle standen Cambnscan, Boix-Rnssel, Verneuil,
Doncaster, Guunersbnry, Craig-Millar, die der ungarischen Pferdezucht so viel
Ruhm gebracht haben; hier ist die Wiege von Kincsem, der Wunderstute, die in 54 Rennen
lief und nie besiegt wurde, so daß sie ihrem Besitzer außer sechs Ehrenpreisen an Renn-
preisen allein 199.705 Gulden heimbrachte. Hier stand ferner der Hengst Kisber, dessen
große Siege den Namen des Gestüts selbst weltberühmt gemacht haben, und so noch
manches andere Pfcrd, dessen Namen einen internationalen Glanz gewonnen hat.
Interessant ist auch der Stall der einjährigen Vollblutfohlen. Nachdem diese ein
halbes Jahr lang mit der Mutter frei in den Paddocks herumgelaufen, werden sie von
ihnen getrennt und hier vereinigt. Ihr Futter von reichlichem Hafer und Heu wird noch
durch Milch und Eier ausgiebiger gemacht, was ihr Wachsthum steigert, und dazu kommt
noch das tägliche systematische Gehen- und später Laufenlassen auf der zu dem Stall
gehörigen Kreisbahn, wodurch sie für ihren zukünftigen Beruf, das Rennen, vorbereitet
werden. Hier stählen sich die Muskeln des Fohlens, hier erreicht es einen solchen Grad von
Geschmeidigkeit, daß es schon bei der alljährlich Ende Mai abgehaltenen Versteigerung seine
Rennfähigkeit zu erweisen vermag; angesichts dieser Leistung kann der Käufer dafür einen
meistens ziemlich hohen Preis bezahlen, durchschnittlich etwa 3.000 Gulden, für einzelne
aber auch 6.000, 8.000 und 10.000 Gulden, ja ausnahmsweise noch größere Summen.
Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
Ungarn (4), Band 16
- Titel
- Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
- Untertitel
- Ungarn (4)
- Band
- 16
- Herausgeber
- Erzherzog Rudolf
- Verlag
- k.k. Hof- und Staatsdruckerei, Alfred von Hölder
- Ort
- Wien
- Datum
- 1896
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 15.18 x 21.71 cm
- Seiten
- 616
- Schlagwörter
- Enzyklopädie, Kronländer, Österreich-Ungarn
- Kategorien
- Kronprinzenwerk deutsch