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Die bedeutendsten Marmorbrüche befinden sich auf dem Gerecse. Süttö, Pißke und
Nyerges-Ujfalu am rechten Ufer der Donau verdanken ihren Aufschwung besonders
dem Marmor. Auch die eoeäueu und oligocäneu Ablagerungen nehmen große Flächen
ein, es wurden zwischen ihnen mächtige Braunkohlenlager gefunden. Die größte
Merkwürdigkeit der nahen Umgebung von Gran bildet ohne Zweifel dieser Bergwerks-
bezirk von unerschöpflichem Reichthum, der durch die Nähe der Hauptstadt erhöhten
Werth gewinnt. Das dortige Kohlenlager hat seit einigen Jahren bereits seine ständige
Eisenbahnverbindung mit dem westlichen Verkehr. Nach der Linie Gran-Füzitö wird nun
bald auch die Verbindung Gran-Ofen eröffnet werden, was der Urproduction des ganzen
Bergwerksbezirkes eine noch größere Blüte in Aussicht stellt. Die Stadt und ihre
Umgebung besitzen sehr viele Thermen. In der Mitte der Stadt entspringt eine Quelle
von 26° C. und fließt in die kleine Donan ab; am Fuße des St. Thomasberges brechen
von Zeit zu Zeit Bitterivasserquellen hervor; doch sind diese Mineralwässer, nach den
Ergebnissen mehrfacher wissenschaftlicher Analysen von keiner besonderen Wichtigkeit und
Verwerthbarkeit. In den Bergen von Dömös wurden einst ausgebeutete Goldmiuen ent-
deckt, deren Betrieb aller Wahrscheinlichkeit nach bis in die römische Zeit zurückreicht.
Neuesteus beginnt man, den Graner Quarz in den dortigen Glasfabriken zn verarbeiten.
Die alte Geographie erklärte den Ursprung des Namens Eßtergom aus dem
Zusammenfluß der Jster (Donau) und des Grannm (Gran). Der slavische Name der
Stadt ist Ostrihmn, der lateinische Strigoninm (Jstropolis, Jstrogrannm), jedenfalls
Anhaltspunkte genug, um die nach dem Wortklange Etymologisirenden irrezuführen. Mit
weit mehr Wahrscheinlichkeit wird aber der Namen Eßtergom aus dem Fränkischen erklärt.
Die Franken nannten nämlich diese Grenzfeste ihres Reiches Oster-Ringen, das heißt
östliche Bnrg. Als noch Pannonien bestand, war Gran unter dem Namen Salva eine
römische Colouie, die mit den Legionen zugleich verschwand.
In Gran und dem längs der Donau gelegenen Theile des Comitats werden sehr
viele geschliffene und ungeschliffene Gegenstände aus der Steinzeit gefunden. Das
magyarische Volk schreibt diese grünlich-braunen Steinwerkzeuge dem Blitzschlage zu und
Nennt sie „kalte Donnerkeile" (wörtlich: kalte Gottespfeile). Die abergläubischen Bauern
eurireu an manchen Orten nicht nur das schlecht milchende oder krauke Vieh, sondern
sogar die häntige Bräune mit diesen kalten Donnerkeilen; daher sind diese Gerätschaften
der Steinzeit bei ihnen sehr gesucht und schwer zu erlangen. Von Denkmälern der Urzeit
kommen hier noch aus reinem Kupfer gefertigte Spangen, Meißel, Sicheln, Wurfspeere
nnd Lanzenspitzen vor, am häufigsten aber bronzezeitliche Geräthe jeder Art, die aus den
Begräbnißstätten der Urzeit und dem Krümelwerk der einstigen Herdstätten aus Tages-
licht kommen. Auch aus der Zeit der Völkerwanderung und Römerherrschast finden sich
Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
Ungarn (4), Band 16
- Titel
- Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
- Untertitel
- Ungarn (4)
- Band
- 16
- Herausgeber
- Erzherzog Rudolf
- Verlag
- k.k. Hof- und Staatsdruckerei, Alfred von Hölder
- Ort
- Wien
- Datum
- 1896
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 15.18 x 21.71 cm
- Seiten
- 616
- Schlagwörter
- Enzyklopädie, Kronländer, Österreich-Ungarn
- Kategorien
- Kronprinzenwerk deutsch