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erhebt sich das pautheonartige Kirchlein, das beim Volke „die Rotunde" heißt; unweit
davon erblickt man noch die kleine Eisenbahnstation; unterhalb dieser, gegen die Kleine
Donau hin, erstreckt sich das mit dem Namen des ersten Ungarkönigs verknüpfte
legendenhafte Szent-Kirälyföld (Heiligen-Königsfeld), ans deren Hügeln man die Werk-
stücke einer einst aus behauenen Steinen erbauten Kirche und eines Klosters, dazu alte
Marmorfragmente und die Reste von Gebäuden der Ärpädenzeit ausgräbt.
Die Erzkathedrale, auf dem Gipfel des 66 Meter hohen Festnngs- oder Burgberges
(Varhegy) erbaut, ist die größte Kirche Ungarns. Als der Graner erzbischöfliche Stuhl
nach 270 Jahren wieder auf feinen ursprünglichen Standort zurückgelangen konnte, begann
der Erzbischos Alexander Rndnay den Bau der Haupt- und Kathedralkirche. Die größte
und glänzendste Kirche des Landes mußte auf dem Berge errichtet werden, der einst, bis
zum Jahre 1543, die alte ungarische Hauptkirche trug. Der Grundstein wurde im
Jahre 1822 am Tage des heiligen Adalbert gelegt, unter festlicher Betheiligung des
Landes, iu Gegenwart des Palatins von Ungarn, zahlreicher Vertreter des Hochadels
und aller ungarischen Würdenträger der katholischen Kirche. Eine Sammlung, die im
ganzen Lande eingeleitet wurde, um einen Theil der Baukosten zu decken, ergab nicht
mehr als 1.500 Gulden. Die Nation überließ die Aufführung ihrer Haupt- uud Kathedral-
kirche der Opferwilligkeit des jeweiligen Primas, und Primas Rndnay allein opferte dafür
beinahe eine Million Gulden. Nach seinem Tode setzte Josef Kopäesy den Bau fort.
Kopäesy war Bischof von Veßprem und konnte mit königlicher Bewilligung auch die
Einkünfte des Bisthums Veßprem drei Jahre lang auf die Arbeiten an der Kathedrale
verwenden. Auf den Primas Kopäosy folgte Erzbischof Johann Scitovszky, der die
Kathedrale im Jahre 1856 in Gegenwart des Königs und der katholischen Notabilitäten
des Laubes mit großer Feierlichkeit einweihte. Die Vollendung der Säulenhalle war dem
Fürstprimas Johann Simor vorbehalten, der übrigens das Innere des ganzen Domes,
namentlich aber 1866, zum Gedächtniß seines 50jährigen Priesterjubiläums, die bis dahin
schmucklose Kuppel prächtig ausschmückte. Josef Aradi-Lippert, der Hofarchitekt des
Primas, entwarf den Plan der Ornamentirnng, welche der Decoratenr Detama, zumeist mit
italienischen Arbeitern, ausführte. Die Geschichte und die architektonische Charakterisirnng
der Kirche ist in dem Aufsatze über Baudenkmäler des Landestheiles jenseits der Donan
(S. 111 ff.) enthalten. Von den Details des Jnnenranmes lenkt vor Allem das Bild des
Hauptaltars die Aufmerksamkeit auf sich: eines der größten Leinwandgemälde der Welt.
Es ist eine Copie von Tizians Himmelfahrt Mariä, durch den venetianischen Maler
Michelangelo Grigoletti ausgeführt, 6>/z Meter breit und 13 Meter hoch. Grigoletti hat
das in der Akademie zu Venedig befindliche Bild des alten Meisters in wesentlicher
Vergrößerung und mit einigen Änderungen wiedergegeben.
Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
Ungarn (4), Band 16
- Titel
- Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
- Untertitel
- Ungarn (4)
- Band
- 16
- Herausgeber
- Erzherzog Rudolf
- Verlag
- k.k. Hof- und Staatsdruckerei, Alfred von Hölder
- Ort
- Wien
- Datum
- 1896
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 15.18 x 21.71 cm
- Seiten
- 616
- Schlagwörter
- Enzyklopädie, Kronländer, Österreich-Ungarn
- Kategorien
- Kronprinzenwerk deutsch