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Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild - Ungarn (4), Band 16
Seite - 519 -
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519 war lange Zeit gänzlich vernachlässigt und erhielt erst im Jahre 1874 sein jetziges Pracht- gewand. Siebzehn steile Stufen führen von der Bastei her, wo sich eine herrliche Aussicht auf das Donaugelände eröffnet, durch ein enges Gäßchen zur Kapelle empor. Sie hat einen Flächenraum von ungefähr fünf Quadratmeter und ist mit glänzenden Wand- malereien und Historienbildern geschmückt. In ihrer Mitte dient eine Säule als Ansatz für die starken Bogen, die sich zu den Pilastern und Wänden hinabneigen. Steigt man den Festungsberg herab, so findet man drei große Gebäude. Rechts und links ragen die zwölf Domherrenhäuser und links der Bau des Seminars, das durch einen sechzig Meter langen, mächtig gewölbten Tunnel mit der jenseitigen Straße des Festungsberges verbunden ist. Das Seminargebäude wurde 1885 errichtet. Es hat eine romanische Kapelle mit einem Glasgemälde (St. Stesan) als Altarblatt. Das Graner Seminar ist seinem Ursprung und der Zahl seiner Zöglinge nach das erste des Landes. An der Mündung der Kleinen Donan, am Fuße des Festungsberges, erhebt sich der im Renaissancegeschmack erbaute Primatialpalast, im Auftrage Johann Simors nach Lipperts Rathschlägen durch Preßburger und Wiener Architekten erbaut. Den Hauptschmuck dieses Palastes bildet das Treppenhaus. Es ruht auf Säulen von farbigem belgischen und italienischen Marmor, die Wände sind mit gelben Marmorfeldern und die Decke mit Stucco-Lustro verziert. Die Treppenstufen sind carrarischer Marmor, die Treppenbrüstungen aus vergoldetem Schmiedeeisen gefertigt. Auf dem Podest des zweiten Stockwerkes ist Simors Wappen in venetianifcher Mosaik angebracht. Der Prunksaal des Palastes ist nicht groß, wirkt aber durch Richtigkeit der Verhältnisse und der Ausschmückung vortheilhaft. Die Wände sind von gelbem Marmor, der Plafond in Stuck ausgeführt. Zwei Riesenspiegel und ein Marmorkamin tragen zur Stattlichkeit des Saales bei, der für 150 Gäste Raum bietet. Der größte Theil des Palastes enthält das erzbischöfliche Museum. Dieses besteht aus Gemäldegallerie, Knpferstichsammluug, Bibliothek, Archiv, Sammlungen von Prachtwcrken, von Antiquitäten und Raritäten. Die Gruppen sind mannigfaltig, die Sammlungen jedoch nicht groß. Simor begann das Sammeln schon als Raaber Bischof und eröffnete seine Gemäldegallerie im Jahre 1875, vorerst in den Oberstocksälen der zur Erzkathedrale gehörigen Bibliothek. Gegenwärtig ist die Primatial-Bildergallerie auf etwa vierhundert Gemälde angewachsen. Unter den hervorragenderen Meistern befinden sich Ghirlandajo, Cimabue, Pintnricchio, Carlo Dolce, Palma Vecchio, Guido Reui, Crivelli, Carracei und Andrea del Sarto. Simor wünschte in seinem Museum die geschichtliche Entwicklung der kirchlichen Malerei durch Sammeln geeigneter Werke ersichtlich zu machen. Von neueren Meistern finden sich: Seghers, Jttenbach, Dobyaschossky, Sattler, Blaas und Führich. Von ungarischen Malern sind: Marko, Ligeti, Liezen-Mayer, Szoldqtics, Molnär und Paczka dnrch einzelne Werke vertreten.
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Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild Ungarn (4), Band 16
Titel
Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
Untertitel
Ungarn (4)
Band
16
Herausgeber
Erzherzog Rudolf
Verlag
k.k. Hof- und Staatsdruckerei, Alfred von Hölder
Ort
Wien
Datum
1896
Sprache
deutsch
Lizenz
PD
Abmessungen
15.18 x 21.71 cm
Seiten
616
Schlagwörter
Enzyklopädie, Kronländer, Österreich-Ungarn
Kategorien
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