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Das Volk, das bis dahin vorwiegend von seinem Weinbau lebte, ist jetzt ganz willig
zu Fabriksarbeit und Bergwerksdienst, was früher beides gründlich verschmäht wurde.
Seit dem Ausbau der Eisenbahn hat in der Stadt und ihrer näheren Umgebung die
Glasfabrikation sich stark entwickelt. Quarz von guter Eignung ist reichlich vorhanden.
Die Ziegelbrennereien liefern eine Menge Mauer- und Dachziegel, nicht nur in
Gran, sondern auch in der nahen Nachbarschaft, so zu Basaharcz, Pilis-Maröth, Nyerges-
Ujfalu und Süttö. Der Hauptmarkt des fertigen Erzeugnisses ist Budapest. Cementfabriken
gibt es in Läbatlan und Nyerges-Ujfalu, wo das nahe Kalksteingebirge den Rohstoff für
sehr absatzfähigen Portland- und Roman-Cement liefert. Kalkbrenuer gibt es in Szent-
Lelek, Keßtölez und Csiv, wo die arme Bevölkerung daran einen gnten Verdienst hat.
Der berühmte Steiukvhlenbezirk von Gran hat folgende Hauptflötze: Die Tokoder
Grube, Eigenthum des Grauer Seminars, ist über 2'/- Millionen Quadratmeter groß
uud wird seit 1839 ausgebeutet; die Qualität seiner Kohle ist die beste im ganzen
Braunkohlenbezirk. An mehreren Stellen ist man schon zu einer Tiefe von 400 Meter
gelangt. Die Dorogher Grube, mit fünf Stollen, gehört dem Graner Erzkapitel. Die
Pächter arbeiten da schon seit 1850 und fördern auf einem Flüchenraum von 1'/> Millionen
Quadratmeter jährlich ungefähr 800.000 Metercentner Braunkohle. Kürzlich wurde im
Dorogher Grubenbezirk eine besondere Arbeitercolonie für 500 Familien von Kohlen-
arbeitern ins Leben gerufen. Das Bajöth-Szarkäfer Kohlenflötz gehört dem Grauer
Erzbisthum; sein Gebiet beträgt an 1'/- Millionen Quadratmeter, mit einem jährlichen
Ergebniß von 100.000 Metercentner Steinkohle; die Ausbeutung datirt vom Jahre 1840.
Die Särisäper Grube wurde im Jahre 1812 nach einem Plane französischer Geologen
erschlossen. Die Esolnok-Mogyoröser Grnbe gehört dem Religionsfond und fördert
auf einem Gebiet von fast 4 Millionen Quadratmeter jährlich nahe an 1'/- Millionen
Metereentner Kohle; sie ist feit dem Jahre 1817 in Betrieb. Die Annavölgyer
Grube zieht sich in der Gemarkung der Gemeinde Särifäp, südlich von Tokod entlang.
Doch fanden sich außerdem noch reiche Kohlenflötze in der Gemarkung der Stadt Gran,
in der Gemeinde Dorogh, ziemlich weit von den im Betrieb stehenden Gruben, dann bei
Uny, Kirva, Csolnok, Dagh, Särisäp, Nagy-Säp, Bajna, Läbatlan u. s. w., kurz in allen
Theilen des ungeheuren Steinkohlenreviers. Unreife Steinkohlenschichten gibt es in
Kis-Keserüs bei Dömös, ja selbst in der Pärkänyer Gegend, am linken Donau-User, wurde
Steinkohle gefunden. Nach der Berechnnng des Geologen Hantken, der sich am gründlichsten
mit der geologischen Formation des Grubenreviers im Graner Comitate beschäftigt hat,
sind da noch weit über 400 Millionen Metercentner Steinkohle zn gewinnen.
Die Brennereien zu Bätorkeß und Kenyermezö, sowie die Graner Weichfelholzfabrik
beschäftigen gleichfalls zahlreiche Arbeiter. Mit dem Aufschwung der Fabriksindustrie steht
Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
Ungarn (4), Band 16
- Titel
- Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
- Untertitel
- Ungarn (4)
- Band
- 16
- Herausgeber
- Erzherzog Rudolf
- Verlag
- k.k. Hof- und Staatsdruckerei, Alfred von Hölder
- Ort
- Wien
- Datum
- 1896
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 15.18 x 21.71 cm
- Seiten
- 616
- Schlagwörter
- Enzyklopädie, Kronländer, Österreich-Ungarn
- Kategorien
- Kronprinzenwerk deutsch