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gesichert hat und nicht nur zu den umfassendsten, sondern auch zu den ältesten Reguliruugs-
arbeiteu des Landes gehört. Dieses Kanalnetz, das sogenannte Särviznetz, besteht zum
Theil aus natürlichen, aber regulirteu Bächen, größtentheils jedoch aus künstlich auge-
legten Kanälen. Es beginnt mit dem von den Bächen des Bakony- und Vertesgebirges
gespeisten Moor er Kanal, der im Moörer Thale nach Südost zieht, mehrere künstlich
angelegte Kanäle aufnimmt, unterhalb Stuhlweißenburg auch noch den vom Bakony-
gebirge herabkommenden und eine Strecke weit parallel mit ihm verlausenden Gaja-Bach
als Zuwachs erhält, um sich dann mit dem im Veßpremer Comitat beginnenden großen
Kanal zu vereinigen und den das ganze Comitat durchziehenden Pa la t ina l - oder
Särvizkanal zu bilden. Diesem parallel zieht der gleichfalls im Veßpremer Comitat
entspringende Sed-Bach, unterhalb Mühlkanal (Malomcsatorna) genannt, bis Czecze,
wo er sich iu den Särvizkanal ergießt, der dann bei Simontornya mit dem Siö-Kapos-
kanal vereint weiter unten in die Donau mündet.
Alle diese Gewässer haben einen regelmäßigen Lans und verursachen kaum irgend-
welche Schäden; nur im Vorfrühling überflnthen sie die tiefer gelegenen Theile des großen
Särret unterhalb Stuhlweißenburg, da aber das Wasser bald wieder abläuft, schaden
sie auch hier nicht, sondern tragen vielmehr zur Üppigkeit des Heuwuchses bei und
ermöglichen auf den durch Schlamm gedüngten Flächen eine sehr ergiebige Gartencultur.
Von diesem durch die Natur gewährten Nutzen abgesehen, bieten alle die regnlirten
Wasserläufe keinen anderen wirthschaftlichen Vortheil dar, als den Wasserschutz der ihnen
anliegenden Gebiete. Das durchschnittlich 4 bis 5 Meter breite und 1 Meter tiefe Wasser
ist nicht schiffbar; auch zur künstlichen Bewässerung und zur Verwerthung bei industriellen
Anlagen, die Stadt Stuhlweißenburg ausgenommen, ist es nicht herangezogen. Diese
Wasserkraft wird Alles in Allem zum Betrieb einiger Wassermühlen benützt, aber auch
diese Mühlen verlieren immer mehr an Bedeutung und werden kaum für die Deckung des
localen Bedarfes in Anspruch genommen.
Größere Seen, den von Velencze ausgenommen, besitzt das Comitat nicht. Einst
waren auch der Csakvärer (Foruaer) und der Pätkaer See namhafte stehende Gewässer
nnd der letztere sogar noch in den Sechziger-Jahren wegen seiner uugemein schmackhaften
Fische bemerkenswerth; seither sind sie jedoch entwässert und sammt dem Ägotaer See der
Cultur unterworfen worden. Außerdem sind noch der Weißenburger Salzsee und der
Löker See zu erwähnen, allein auch diese zeigen mehr den Charakter von bedeutenderen
Sümpfen, die höchstens durch etwas Rohrwuchs nutzbar werden uud zeitweilig ganz
versiegen. Hingegen gehört der Velenczeer See zu den größeren Seen Ungarns, er
bedeckt etwa 12 Quadratkilometer mit beständigem Wasser, das in seinem westlichen Theile
» bei Pakozd und Sukorö stellenweise 4 bis 5 Meter tief, im östlichen Theile aber seicht
Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
Ungarn (4), Band 16
- Titel
- Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
- Untertitel
- Ungarn (4)
- Band
- 16
- Herausgeber
- Erzherzog Rudolf
- Verlag
- k.k. Hof- und Staatsdruckerei, Alfred von Hölder
- Ort
- Wien
- Datum
- 1896
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 15.18 x 21.71 cm
- Seiten
- 616
- Schlagwörter
- Enzyklopädie, Kronländer, Österreich-Ungarn
- Kategorien
- Kronprinzenwerk deutsch