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Das für die nationalen Interessen jederzeit empfängliche Publikum des Comitats
und der Stadt hat es durch seine Opferwillig'eit schon im Jahre 1818 ermöglicht, in
Stuhlweißenburg systematisch nationale Schauspieldarstellungen zu veranstalten, an denen
die ersten Künstler des Landes mitwirkten. Und seitdem hatte die Stadt mit geringen
Unterbrechungen immer ein Theater und zu dessen Unterstützung einen Theaterverein. In
neuerer Zeit wurde aus den gern beigesteuerten Spenden des Publikums ein schmuckes
neues Theater erbaut, das in den Wintermonaten eine der besseren Schauspieltruppen
der Provinz beherbergt und unter Mitwirkung der besten Künstler Ungarns einen ständig
gesicherten Theaterbetrieb gestattet.
Die Stadt besitzt auch mehrere ausgedehnte, schön mit Bäumen bepflanzte und gut
in Stand gehaltene Promenaden, unter denen die Promenade der oberen Stadt, das
Zichy-Wäldchen, der Comitatshausplatz und besonders das Vörösmarty-Wäldchen zu
erwähnen sind. Im letzteren erhebt sich das eherne Standbild des großen Dichters, ein
Werk des einheimischen Bildhauers Baron Nikolaus Vay aus dem Jahre 1865. Außer
den innerhalb der Stadt gelegenen Promenaden gibt es noch einen schönen Spazierweg
längs des Särviz, der sich im Verein mit der Szöchenyi-Promenade als etwa fünf
Kilometer lange Allee vom nördlichen bis zum südlichen Rande der Stadt erstreckt. Am
Nordende der Allee befinden sich recht gut eingerichtete Dampf- und Wannenbäder nebst
kalten Bädern, die aus dem Särviz-Kanal gespeist werden; am Südende der Stadt aber
endet die beliebte Promenade mit den ausgedehnten Anlagen des oberhalb des Söstö
(Salzsee) gelegenen Söstö-Wäldchens.
Ein angenehmer Ausflugsort ist noch der am Bahnhofe gelegene Schützengarten,
mit einer zweckdienlich eingerichteten Schießstätte und einem Gasthause nebst Tauzsaal.
Der liebste Ausflugsort der Stuhlweißeuburger ist jedoch das Weingebirge, das sich
östlich längs der Stadt hinzieht. Zwar sind die schönen nnd werthvollen Pflanzungen der
Phylloxera zum Opfer gefallen und ihre Erneuerung kommt nur langsam in Gang, auch
siud die Lustbarkeiten, die hier einstens in großer Zahl stattfanden, seither seltener
geworden, wohl aber stehen noch immer die vielen anmuthigen Häuschen und dienen
zahlreichen Familien fortwährend als Ziel für Ausflüge, wie als Sommerfrische.
Die Bevölkerung von Stuhlweißeuburg betreibt auch Landwirthschaft. Ein großer
Theil lebt sogar von dieser, da die 120 Quadratkilometer der städtischen Gemarkung mit
geringer Ausnahme aus fruchtbarster Dammerde bestehen. In den Niederungen längs
des Särviz wird ergiebiger Gemüsebau betrieben, der sich ans sämmtliche Gartengewächse
erstreckt. Nicht nur der locale Bedarf wird vou hier aus völlig befriedigt, sondern es
findet auch reichliche Ausfuhr nach anderen Plätzen, namentlich nach Budapest statt. Auch
jene Einwohner, die sich mit Handel oder Gewerbe beschäftigen, und sogar die der
Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
Ungarn (4), Band 16
- Titel
- Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
- Untertitel
- Ungarn (4)
- Band
- 16
- Herausgeber
- Erzherzog Rudolf
- Verlag
- k.k. Hof- und Staatsdruckerei, Alfred von Hölder
- Ort
- Wien
- Datum
- 1896
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 15.18 x 21.71 cm
- Seiten
- 616
- Schlagwörter
- Enzyklopädie, Kronländer, Österreich-Ungarn
- Kategorien
- Kronprinzenwerk deutsch