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Intelligenz Angehörigen sind sehr für die Gärtnerei eingenommen; die meisten in der
Stadt wohnenden Familien besitzen, auch wenn sie sich sonst nicht mit Landbau befassen,
wenigstens ihren eigenen Küchengarten oder einen auch für Gartencultur geeigneten Wiesen-
grund. Die Gemarkung der Stadt umschließt auch mehrere bedeutende Landgüter, die
nur zu geringem Theile in häuslichem Betrieb, größteutheils aber in mittlerer oder
Kleinpacht stehen, während der Rest von etlichen hundert Joch theils als Hutweide, theils
als militärischer Exercirplatz benützt wird.
In Stuhlweißenburg befindet sich das Commando eines Honvedbezirkes und die
Honveds haben da eine stattliche Kaserne; außerdem ist eine Jusanteriekaserne vor-
handen mit den nöthigen Magazinen und Nebengebäuden zur Unterbringung eines
Reserve-Regimentseommandos uud eines Jnsanteriebataillons; eine dritte, sehr schön
und zweckmäßig gebaute Kaserne ist für ein ganzes Cavallerieregiment berechnet.
Besondere Erwähnung verdient noch das staatliche Hengstendepot, das größte im ganzen
Lande, wo etwa 300 der werthvollsten Hengste des Staates eingestellt sind. Die förder-
liche Wirkung, die von diesem Depot über einen großen Theil des Landes ausgeht, ist
in erster Reihe im Comitate selbst zu verspüren. Außer dem Hengstendepot tragen noch die
berühmten Jahrmärkte dazu bei, Stuhlweißenburg zu einem bedeutenden Centrum der
ungarischen Pferdezucht zu machen.
Die Stnhlweißenbnrger Jahrmärkte gehören zu den größten derartigen Veran-
staltungen. Der Markt gibt der ganzen Stadt ein anderes Gesicht. Endlose Wagenreihen
erfüllen in dichtem Nacheinander die Straßen, so daß es kaum möglich ist, von dem
einen Bürgersteig auf den anderen hinüber zu gelangen. Herrliche Gespanne brausen
vorüber, Prachtexemplare von Pferden tänzeln in der Reihe dahin, so daß der Wagenzug
immer neues Aufsehen erregt.
Der Stuhlweißeuburger Pferdemarkt gehört nicht nur zu den bedeutendsten, sondern
er zeichnet sich auch durch die Vorzüglichkeit der dort erscheinenden Pferde aus. Schaaren-
weise strömen in- und ausländische Käufer herbei, in dem sicheren Bewußtsein, daß hier
nicht die Pferde eines einzigen Comitates, sondern die eines ganzen, auf dem Gebiete der
Pferdezucht weit vorgeschrittenen Landestheiles zu ihrer Auswahl bereit stehen. Auch die
mit deu Pferdemärkten gleichzeitig abgehaltenen Viehmärkte sind sehr lebhaft. Auch diese
haben keinen localen Charakter, sondern eine über Zucht und Bedarf der Stadt wie des
Comitats weit hinausreichende Wichtigkeit. Selbst aus dem Alsöld, ja aus Siebenbürgen
gelangt hier viel Vieh von ungarischer Race, insbesondere Ochsen, zum Auftrieb.
Viel Leben herrscht ferner in der Regel auf dem Waarenmarkte. Die in gutem Rufe
stehenden Gewerbetreibenden von Stuhlweißenburg haben hier Gelegenheit, wenigstens
zur Marktzeit sich nicht blos ans die Befriedigung des örtlichen nnd Comitatsbedarss
Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
Ungarn (4), Band 16
- Titel
- Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
- Untertitel
- Ungarn (4)
- Band
- 16
- Herausgeber
- Erzherzog Rudolf
- Verlag
- k.k. Hof- und Staatsdruckerei, Alfred von Hölder
- Ort
- Wien
- Datum
- 1896
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 15.18 x 21.71 cm
- Seiten
- 616
- Schlagwörter
- Enzyklopädie, Kronländer, Österreich-Ungarn
- Kategorien
- Kronprinzenwerk deutsch