Seite - 552 - in Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild - Ungarn (4), Band 16
Bild der Seite - 552 -
Text der Seite - 552 -
552
daß selbst ihr Standort und Umfang nicht mehr sicher zu bestimmen ist. Die gut in Stand
gehaltene Landstraße zieht an Jßka-Szent -György vorbei, das sich bis zur Phylloxera-
Epoche durch wohlgepflegte Weinberge und einen entsprechend geschätzten Tischwein
auszeichnete. Jßka-Szent-György bildete ehedem zwei Gemeinden: Jßka und Szent-
György; jenes gehörte den Kreuzrittern, dieses der zu Sigismunds Zeit mächtigen Familie
Szentgyörgyi, die sich sowohl durch ihre fortwährenden Eingriffe in die Besitzrechte der
Grnndeigner, als auch auf den Palatinal- und Comitatsverfammlnngen sehr unbequem
machte. Jetzt gehört es den freiherrlich Bajzäth'fchen Erben. Sein hübsches Schloß, am
Fuße eines Vorsprungs, den eine Windung des Bakouygebirges hervorschiebt, hebt sich mit
angenehmer Wirkung von dem hinten aufsteigenden Waldgebirge ab und bietet eine schöne
Aussicht nach Norden auf das Vertesgebirge, nach Osten und Süden auf die Stadt
Stuhlweißenburg und die sie umgebende fruchtbare Ebene. Jßka-Szent-György besitzt auch
eine warme Quelle, die im Sommer und Winter etwa 17 Grad Reaumur zeigt und
balneologifch sehr interessant, auch recht ergiebig, aber noch nicht zur Verwerthung gelangt
ist. Solche Thermen von gemäßigter Temperatur kommen in den Höhenlagen der
nördlichen Comitats theile mehrfach vor; so in Magyar-Almäs und Bodajk. Jenseits von
Jßka-Szent-György liegt der Ort Csör am Fuße des Bakonygebirges mit schönen
Schlössern der Familien Szögysny und Nedeczky; an das Szögyeny'sche schließt sich eine
ausgedehnte Herrschaft mit landwirthfchaftlichen Gebäuden und ein schöner Park. Hier
wohnt außer den beiden genannten Familien viel Kleinadel, der jedoch heute kaum über
deu besseren Bauernstand hinausragt. Im höheren Theile der Gemarkung, sowie in dem
Gebiet der nach Csör folgenden Gemeinde Juo t a ist der steinige Untergrund bis an
die Comitatsgrenze blos mit einer dünnen Schichte allerdings gehaltreicher Fruchterde
bedeckt, die eine geringe Menge guten „Stahlweizen" hervorbringt. Der steinige
Untergrund ist ein bröckliges Kalksteingebilde, das den zum Scheuern im Hause besonders
geeigneten nnd weithin verkauften sogenannten „Reibsand" liefert. Diese Kalkstein-
bildungen drängen sich im ganzen westlichen Verzweignngsbezirk des Bakony stellenweise
in größeren Massen hervor und erstrecken sich sogar in das Vertesgebirge hinüber. Ihr
Kalkgestein gibt sehr guten Kalk, der aber, wenn er nicht bald gelöscht wird, leicht zu
Staub verwittert.
In nordwestlicher Richtung laufen von Stuhlweißenburg aus zwei Straßenzüge:
der eine über Moor nach Kisber und Raab, der andere über Lovasberßny nach Csakoär
und von da mit östlicher Schwenkung über Bicske an Alesnth vorbei nach Budapest.
Der Raaber Landstraße folgend, findet man von Stuhlweißeuburg an längs des
Särviz-Kanals bis Moor hinauf zehn größere Wassermühlen, die schon wegen ihres bis
ins XIII. Jahrhundert zurückreichenden Alters bemerkenswerth sind und, wenn auch in
Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
Ungarn (4), Band 16
- Titel
- Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
- Untertitel
- Ungarn (4)
- Band
- 16
- Herausgeber
- Erzherzog Rudolf
- Verlag
- k.k. Hof- und Staatsdruckerei, Alfred von Hölder
- Ort
- Wien
- Datum
- 1896
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 15.18 x 21.71 cm
- Seiten
- 616
- Schlagwörter
- Enzyklopädie, Kronländer, Österreich-Ungarn
- Kategorien
- Kronprinzenwerk deutsch