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ihrer Wichtigkeit stark zurückgegangen, noch jetzt das Mahlbedürfniß eines bedeutenden
Landstrichs befriedigen.
Etwa sieben Kilometer von Stuhlweißenburg liegt das Dorf Kereßtes mit
MOd Einwohnern, die auf ihren guten, obgleich hart zu bebauenden Äckern rationelle
Landwirthschaft betreiben. Links davon liegt die Gemeinde Mo ha mit ihren alkalischen
Mineralquellen. In der Mitte des weiten Blachseldes zwischen Kereßtes und Moha war
schon im XIV. Jahrhundert eine reiche kohlensaure Mineralquelle unter dem Namen „Äldö-
Knt" (Segensbrunnen) bekannt. In neuerer Zeit wurde ihr Wasser blos in der Umgebung
und auch da nur spärlich benützt; die Quelle stand verlassen, höchstens dann nvd wann von
einer Ausflüglergruppe aus dem Bürgerstande Stnhlweißenbnrgs besucht. Sie war nicht
systematisch verwaltet und bekam oft Zuflüsse von Süßwasser, die sie um ihren ganzen
Werth brachten. In den Siebziger-Jahren ließ Herr v. Kempelen, der größte Grund-
besitzer der Gemeinde Moha, in seinem schönen Park, und zwar in dem über das
Flachland erhabenen hügeligen Laubwald eine neue Quelle erbohren, die sehr wasserreiche
Agnes-Quelle, die Dank ihrem Reichthum an freier Kohlensäure zu den vorzüglichsten
derartigen Wässern zählt. In ganz zeitgemäßer Weise schonte er keine Kosten für die
Installation seiner Quelle, die Couserviruug und Bonteillirnng des Wassers, so daß dieses
jetzt zu den beliebtesten Tafelwässern der Welt gehört. Durch diesen Erfolg angeeifert, ging
man dauu daran, auch die alte Quelle in der Ebene neu zu erbohren, zu ifolireu, gehörig
einzurichten, und gegenwärtig liefert auch diese, die Stefanie-Quelle, ein beliebtes
Sauerwasser von guter Qualität.
Ein Theil der Gemarkung des Dorfes Kereßtes bildet mit der benachbarten
Pußta Jgar , wo sich im Mittelalter eine einträgliche Mauth befand, und der Gemeinde
Csnrgö eine schöne und werthvolle Fideicommißherrschaft der gräflichen Familie Kärolyi.
Esnrgö ist bedeutend durch das schöne Schloß, den großen Park und die stattlichen
Herrschaftsgebäude der Grafen Kärolyi, sowie durch die zahlreichen „Knmanenhügel"
seines Gebiets; auch sein Sauerkraut ist berühmt, ja der Same des hier gezogenen Kopf-
kohls (Krautes) eine selbst in weiter Ferne verlangte Waare.
Rechts der Landstraße liegen die Gemeinden Magyar-Almäs und Esäkbereny;
bald darauf erblickt man auf einer abgezweigten Kuppe des Vertes die malerisch auf-
steigende Ruine der Burg Esökakö.
Magyar-Almäs ist durch seinen milden, süß schmeckenden Meerrettig (Kren)
bekannt, der einen localeu Handelsartikel bildet. Esäkbereny, der Mittelpunkt einer
ausgedehnten Herrschaft der gräflichen Familie Lamberg, hat ein wohnliches Grafenschloß
in wohlgepflegtem Parke und in den zugehörigen Forsten einen ungewöhnlich reichen
Bestand an Rothwild. Der hier umhegte Waldbezirk am Fuße des Vertes beträgt an
Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
Ungarn (4), Band 16
- Titel
- Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
- Untertitel
- Ungarn (4)
- Band
- 16
- Herausgeber
- Erzherzog Rudolf
- Verlag
- k.k. Hof- und Staatsdruckerei, Alfred von Hölder
- Ort
- Wien
- Datum
- 1896
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 15.18 x 21.71 cm
- Seiten
- 616
- Schlagwörter
- Enzyklopädie, Kronländer, Österreich-Ungarn
- Kategorien
- Kronprinzenwerk deutsch