Seite - 555 - in Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild - Ungarn (4), Band 16
Bild der Seite - 555 -
Text der Seite - 555 -
555
10.000 Joch. Landwirthschastlich ist dieses große Gebiet nur in geringerem Maße
nutzbar gemacht, da der überreiche Wildstand die Wiederaufforstung der Kahlschläge
erschwert, an Wild aber gehört diese Waldgegend zu den allerreichsten. Das mächtige
Heer der Hirsche lebt da frei in Nudeln von 150 bis 200 Stück und ihre Zahl nimmt
bei dem schonenden Jagdbetrieb immer zu, wobei der Bestand auch noch den Vorzug hat,
eine seltene Zahl alter Exemplare auszuweisen.
Burg Csökakö steht auf einer aus der westlichen Flanke des Vertes hervor-
springenden Felsspitze, über einem ehemals Väralja, jetzt gleichfalls Csökakö genannten
Dorfe. Die Burg wurde in der zweiten Hälfte des XIII. Jahrhunderts durch das Geschlecht
der Csäk erbaut. Zu Beginn des XIV. Jahrhunderts gelangte sie in den Besitz Karl
Roberts, der sie durch einen Burgvogt verwalten ließ und mit ausgedehnten Burggütern
versah. Nahezu ein Fünftel des Weißenbnrger Comitats, und überdies mehrere zu den
Comitaten Veßprem und Komorn gehörige Gemeinden wurden zu dem Burgbesitz
geschlagen. Dieser bestand schließlich aus 34 Gemeinden, deren einige — wie überhaupt
dieser Theil des Comitats — unter der Türkenherrschast zeitweilig zum Veßpr^mer oder
Komorner Comitat gehörten. Die militärische Bedeutung der Burg bestand darin, daß sie
durch ihre Lage die Stnhlweißcnbnrg-Raaber Straße beherrschte und den Rückeuschutz
für Stuhlweißenburg bildete. Die Burg selbst war kein umfangreicher Festuugsbau, jedoch
durch ihre hohe Lage schwer zugänglich. Sie blieb bis 1440 in königlicher Hand. Um
diese Zeit wurde sie durch König Sigismnnd dem Ladislaus Nozgonyi verpfändet und
von Königin Elisabeth im Jahre 1440 sammt allem Bnrgbesitz dem Sohne Ladislaus
Nozgonyi's, Stesan, und dessen Nachkommen verliehen. Im Besitze dieser Familie verblieb
sie bis zum Beginne des XVI. Jahrhunderts, wo sie an der Hand der weiblichen Linie
dieses Geschlechtes in das Eigenthum der Familie Nädasdy überging. Hier blieb sie bis
zum Jahre 1671, wo Franz Nädasdy enthauptet und seine Besitzungen consiscirt wurden.
Nun erhielt der Erzbischos von Kalocsa, Georg Szechenyi, Burg und Burggüter zu
lebenslänglichem Eigenthum, bis sie schließlich 1691 für 60.000 rheinische Gulden unter
dem Titel der mlxta äonalio an die freiherrliche FamilieHochbnrg und deren Abkömmlinge
beiderlei Geschlechts übergingen. Nachmals wurden die umfangreichen Bnrggüter unter
den Abkömmlingen der weiblichen Linie dieses Geschlechts vertheilt und sind uuter diesem
Rechtstitel uoch heute iu ihrem oder ihrer Rechtsnachfolger Besitz.
Mit dem Falle Stuhlweißeuburgs im Jahre 1543 siel auch Burg Csökakö in die
Hände der Türken. Als im Jahre 1566 der kaiserliche Feldherr Salm die Burgen Tolis,
Vitän und Geßtes eroberte, ließen die Türken auch Csökakö im Stich, jedoch nur um
es bald wieder zu besetzen. Im Jahre 1598 wurde es durch Schwarzeuberg, Pälssy
und Nädasdy den Türken wieder abgenommen und um diese Zeit spielte es als Festung
Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
Ungarn (4), Band 16
- Titel
- Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
- Untertitel
- Ungarn (4)
- Band
- 16
- Herausgeber
- Erzherzog Rudolf
- Verlag
- k.k. Hof- und Staatsdruckerei, Alfred von Hölder
- Ort
- Wien
- Datum
- 1896
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 15.18 x 21.71 cm
- Seiten
- 616
- Schlagwörter
- Enzyklopädie, Kronländer, Österreich-Ungarn
- Kategorien
- Kronprinzenwerk deutsch