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Csökakö gegenüber liegt am westlichen Abhang des Thales die Ortschaft Bodajk.
Vor ihr fließt der Särviz vorbei und hinter ihr erheben sich Kalkberge, grün von kurz-
narbigem Gras, denen die waldbedeckten Bakonyer Berge als Hintergrund dienen. Längs
des Särviz liegt zwischen hohen Silberpappeln das m agnesiah altige Bad des Dorfes
mit Wannen- und Marmorbäderu und einem sauber ummauerten klaren Teich, der als
kaltes Bad dient. Das Wasser des Teiches hat Sommer und Winter 13 Grad Reaumur.
Er ist mit einer anmuthigen Promenade und einigen hübschen Landhäusern umgeben.
Weit besuchter als dieses Bad ist die Marienkirche am Südufer des Teiches, mit
der neben dem Pfarrgarten sprudelnden Marienquelle. Die Kirche ist der Wallfahrtsort
für eine weite Umgebung und im Mai, besonders aber im September strömen unter
Führung der Geistlichkeit Tausende von Andächtigen nicht nur aus den Nachbargemeinden,
sondern auch aus weiter Ferne dahin. Der hohe Berg gegenüber der Kirche ist der
Calvarienberg, von wo man einen schönen Blick genießt, hinunter in das weitgedehnte
Thal und gegenüber auf den Bartes, sowie in einige hübsche Thäler des Bakony, die sich
dorthin öffnen. In dem anmuthigen Park am Südrande des Dorfes, gerade unter dem
steilen Absturz des Calvarieuberges, steht ein schönes Schloß, das einst Eigenthum und
Wohnsitz der Freiherren von Miske war.
Das Vertesgebirge ist größtenteils mit Eichenbeständen überzogen; seine westlichen
und südlichen Abhänge sind an ihrem Fuße, von Orond angefangen über Csökakö bis
Moor und bis zu dem an der Comitatsgrenze gelegenen Pußtavam, mit einer ununter-
brochenen Reihe von Weingärten bedeckt. Es ist dies eine der größten und bestcnltivirten
Weingegenden des Landes. Der Wein aus der Gegend von Csökakö hat ein feines
Bouquet und ist ein dem NeßiMyer vergleichbarer Tischwein bester Qualität, während
der schwere und süße, dabei sehr angenehm schmeckende Wein der Moorer Hügel zur
Mischung mit leichteren Weinen besonders geeignet und darum sehr gesucht ist. Die
Verheerungen der Phylloxera haben auch diese Hügelgegend geschädigt, die Weingärten
der Csökaer Gegend, die einen steinigeren Boden hat, sind fast ausgerottet, während
die Moorer Weingärten mit ihrem sandigen Lehmboden auf die Hälfte zurückgegangen
sind. Und doch war in der Hügelgegend auch die Kellerwirthschaft mustergiltig; die öster-
reichischen Weinhändler erschienen hier als gewohnte Käufer und in der Stadt Moor
waren auch die eommerciellen Borgänge behördlich geregelt; sachkundige Sensale bewerk-
stelligten den Verkauf und die Stadt führte regelmäßige Aufzeichnungen über jeden
Umsatz, um so ihre Interessen im Hinblick auf die Veräußerung falscher Waare zu schützen.
Es war gar keine Seltenheit, daß aus der Stadt Moor allein mehr als 50.000 Hektoliter
Wein ausgeführt wurden, zu 22 bis 25 Gulden der Hektoliter. Die Intelligenz beschäftigte
sich größtenteils mit dem Aufkaufen des Mostes nnd dessen rationeller Behandlung;
Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
Ungarn (4), Band 16
- Titel
- Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
- Untertitel
- Ungarn (4)
- Band
- 16
- Herausgeber
- Erzherzog Rudolf
- Verlag
- k.k. Hof- und Staatsdruckerei, Alfred von Hölder
- Ort
- Wien
- Datum
- 1896
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 15.18 x 21.71 cm
- Seiten
- 616
- Schlagwörter
- Enzyklopädie, Kronländer, Österreich-Ungarn
- Kategorien
- Kronprinzenwerk deutsch