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Jetzt tragen die Hügel wohlgepflegte Weingärten und ihrem Fuße entlang reihen sich
nette Winzerhäuser. Auch die uralte Eiche, die als letztes Überbleibsel der einstigen
Waldung bis vor einigen Jahren gehegt wurde, ist abgestorben und nur die Kapuziner
besitzen am Ende ihres schönen und großen, hinter dem Kloster gelegenen Gartens einen
kleinen Waldkomplex.
Die Bevölkerung von Moor ist zu zwei Dritteln deutschen Ursprungs, spricht aber
gegenwärtig fast durchaus magyarisch. Ihren römisch-katholischen Theil kennzeichnet ein
besonderer religiöser Eifer. Auch ist der Markt mit drei Heiligcustytueu geschmückt, auf
der Straße und längs der Wege stehen viele Kreuze, Kapellen und andere religiöse
Denkmäler.
Die die Stadt umgebenden Weingärten haben angenehme Spazierwege und der
alte Friedhofsberg in der Stadt, sowie der am nördlichen Stadtende befindliche
Rökavägäs bieten eine schöne Aussicht auf die unten hingelagerte Stadt, deren waldige
Umgebung, die Berge des Vertes und Bakony und auf die große Ebene oberhalb des
nördlichen Stadttheiles, wo im Jahre 1848 die Schlacht geschlagen wurde.
Beliebte Ausflugsorte find der bei der Eisenbahnstation gelegene Egrestö, in
größerer Entfernung aber das Bodajker Bad und die Ruine Csökakö. Die Pußten im
Umkreise der Stadt weisen schöne landwirtschaftliche Gebäude auf und auf einigen finden
sich auch noch Trümmer der Ortschaften, die einst dort standen. So erinnern auf der
Pußta Timar die Hausstelleu und die Trümmer der alten Marienkirche, auf der Pußta
Felfö-Dobos die Reste eines kleinen kreisförmigen, grabenumzogeueu Forts an die alte
Zeit. Dieses kreisrunde Fort, dessen Steine schon größtentheils verschleppt sind, stammt
vermuthlich noch aus der Zeit der Ärpädischeu Könige, denn es war nach Form und
Bauart ganz identisch mit der Burg von Gereneser, die an der Grenze des Eomitats,
nahe bei Pußtaväm — schon im Gebiete des Komorner Eomitats — liegt und ein
bevorzugtes Jagdschloß der Könige aus Ärpädifchem Hause war.
Der zweite, von Stuhlweißenburg in nördlicher Richtung ausgehende Straßenzug
führt unter die östlichen Abhänge des Vertesgebirges. Wo er die Gemarkung von Stuhl-
weißenburg verläßt, streift er die Pußta Borbäla und führt über die Gemeinde Zämoly
nach Esakvar.
Die Pußta Borbäla ist jetzt unter die Herrschaften Csurgo und Zämoly
getheilt; ehedem war sie königlicher Besitz, wovon die Überlieferung noch lebendig ist, da
eine Stelle noch heute Ärpädsthal heißt.
Zämoly (früher Zämor) ist ein großes Dorf mit schönen Herrschaftsgebäuden
am Fuße des Virtes; es'gehört dem Grafen Lamberg. Nach der Überlieferung wäre der
flüchtige König Peter hier gefangen und geblendet worden.
Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
Ungarn (4), Band 16
- Titel
- Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
- Untertitel
- Ungarn (4)
- Band
- 16
- Herausgeber
- Erzherzog Rudolf
- Verlag
- k.k. Hof- und Staatsdruckerei, Alfred von Hölder
- Ort
- Wien
- Datum
- 1896
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 15.18 x 21.71 cm
- Seiten
- 616
- Schlagwörter
- Enzyklopädie, Kronländer, Österreich-Ungarn
- Kategorien
- Kronprinzenwerk deutsch