Seite - 566 - in Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild - Ungarn (4), Band 16
Bild der Seite - 566 -
Text der Seite - 566 -
566
die der Erzherzog sowohl für seine Domäne, als auch für seine persönlichen Bedürfnisse
gern in Anspruch nimmt.
Der Glanzpunkt der Herrschaft, sowie der ganzen Gegend ist der Alesüther
Park mit dem erzherzoglichen Schloß. Kein Comitat im ganzen Lande hat so viele in
echter Musterwirthschaft stehende Herrschaften, so viele schöne hochadelige Heimstätten und
Parks aufzuweisen, als das Weißenburger Comitat, allein hinsichtlich der hohen Stufe
gärtnerischer Installation steht auch unter diesen der Alesüther Park an erster Stelle.
Der Park, im Ausmaße von 90 Katastraljoch, dehnt sich auf einer schönen, aus
mehreren Hügelrücken bestehenden Höhe aus; das erzherzogliche Schloß bildet seinen
Mittelpunkt. Es ist dies ein in griechischem Stil gehaltener einfacher, aber schöner Bau,
vorne mit einer großen, von vier jonischen Säulen getragenen Garten-Veranda, die in den
geräumigen, auch durch das obere Stockwerk reichenden Speisesaal führt. Um diesen
gruppiren sich die Empfangssalons, der Rittersaal, die Wohngemächer, in Verbindung
mit den im Oberstock befindlichen Kinderzimmern und den Wohnstuben des inneren
Hofstaats; ein Flügel des Gebäudes enthält die Wohnungen für das Personal der
erzherzoglichen Hofhaltung und die Gastzimmer, ein anderer Flügel, in dem die Bibliothek
untergebracht ist, führt zur ueu erbauten Kapelle, die in der That nicht nur eine
architektonisch hervorragende Schöpfung ist, sondern auch durch tadellosen Kunstgeschmack
die meisten ähnlichen Bauten übertrifft.
Die Bibliothek ist überreich an seltenen, kostbaren Publikationen und enthält auch
die werthvollen Schriften des in glorreichem Andenken stehenden Palatins. In den
Wohngemächern und Sälen, besonders im Ritter- oder Waffensaal, begegnet man einer
reichen und mannigfaltigen Sammlung der verschiedensten Waffen, sowie zahlreichen
ethnographischen Gegenständen; Gemälde und Statuen von Künstlern ersten Ranges
fesseln das Auge, ganz besonders aber sind die auf einzelne Mitglieder der erzherzoglichen
Familie bezüglichen Andenken, deren Statuen, Bildnisse, eigenhändige Zeichnungen und
Malereien geeignet, auch im Beschauer jenes zarte Gefühl der Pietät zu erwecken, welches
die Familienmitglieder für diese Reliquien empfinden, ein Gefühl, das jeden mit Achtung
erfüllt, der da sieht, wie hoch die Mitglieder des erzherzoglichen Hauses die Innigkeit des
Familienlebens über allen Glanz und Pomp stellen.
Der Platz vor dem erzherzoglichen Schloß ist mit Meisterwerken der Teppich-
gärtnerei geschmückt und das staunende Auge mag über Rasenflächen von seltener
Schönheit hinunterblicken bis zu dem glatten Spiegel des Teiches, dessen klare Muth
anmuthige Haine umspielt, üppige Wasserpflanzen schaukelt und den mannigfaltigen
" Bäumen seines Uferrandes die Stämme oder auch die hineinhängenden Äste badet. Im
Parke befinden sich mehrere Weiher, unter denen der als Reservoir für die Wasserleitung
Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
Ungarn (4), Band 16
- Titel
- Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
- Untertitel
- Ungarn (4)
- Band
- 16
- Herausgeber
- Erzherzog Rudolf
- Verlag
- k.k. Hof- und Staatsdruckerei, Alfred von Hölder
- Ort
- Wien
- Datum
- 1896
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 15.18 x 21.71 cm
- Seiten
- 616
- Schlagwörter
- Enzyklopädie, Kronländer, Österreich-Ungarn
- Kategorien
- Kronprinzenwerk deutsch