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dienende sich durch seine hohe Lage und schöne Niederblicke in die Thalmulden des Parkes
auszeichnet. Die gewaltige Wasserleitung versieht nicht nur jeden Punkt im Parke
reichlich mit dem erforderlichen Wasser, sondern die beiden großen Fontaiuen, die das
Wasser liefern, steigern auch noch den Wasserreichthum eines rauschenden Baches und
ernähren mehrere Springbrunnen.
Der schönste Theil des Parks ist der „Hohlweg" nebst Umgebung. Die verschiedensten
Arten von Tannen entfalten da in höchst mannigfaltiger Grnppiruug ein üppiges
Wachsthum, die feisten, fleischigen Blätter der Alpenrosen, das bnnte Vielerlei einer
frischen Hochgebirgsflora, hohe Böschungen mit durchbrechenden Felszacken, mit tosenden
Sturzbächen, reichlich eiuhersickerudeu Quellen, dazwischen Kaskaden und schließlich eine
unversehens aufschießende Felswand: all das erregt eine Empfindung, als sei man an
einen Pnnkt der hohen Tatra versetzt, wo Mutter Natur in freigebiger Stunde alle ihre
Schönheiten vereinigt hat. Erst im Weiterschreiten, wenn man wiederum den Meisterstücken
der Gartenkunst begegnet und eine aus maucherleiLaubbäumen zusammengesetzte Vegetation,
ständig gepflegte Rasenpläne und Teppiche, hie und da ein südländisches Gewächs und
dazu die Hochstrahlen der Fontainen um sich hat, erst da gewahrt man, daß jener „Hohlweg"
eine genau nachgeschaffene Alpengegend, ein Werk menschlicher Bildnerkraft ist, das kunst-
volle Gebilde einer an Kunstschaffen grenzenden Gartencultur. Im Alcsüther Park bethätigt
sich nicht nur die höchste Steigerung der Gartenkunst, sondern auch jener verfeinerte
Knnftgeschmack, der alle Schütze der Natur zur Hervorbringuug des ästhetisch Schönen
zu vereinigen weiß. Von jedem Punkte des Parkes sieht man ein herrliches Panorama
sich entfalten. Aus dem Parke führt an dem Weinberg vorbei im Schatten dichtbelaubter
Baumreihen ein breiter Weg zu einer ebenen Hochfläche, dem Csaplärer Wald empor,
so daß dieses Plateau von 450 Joch Flächeninhalt füglich als ergänzender Theil des
Parkes betrachtet werden kann.
Der Wald besteht aus stattlichen Exemplaren von Laub- und Nadelhölzern und ist
sternförmig angeordnet, so daß jeder seiner Radien in eine andere reizende Landschaft blicken
läßt. Zu Füßen hat man den Alcsüther Park selbst und die herrschaftlichen Wirthschafts-
betriebe mit ihren verschiedenen gartenähnlichen Meiereien; zwischendurch streift das
Auge die Häusergruppen umliegender Dörfer, ruht in weiter Ferne auf den wolken-
ähnlichen, blan dunkelnden Graten der Ofner Berggruppen, dann wieder in den grünlich
verschwimmenden Senkungen des Vaaler Thales und versinkt schließlich im Dunkel der
hochstämmigen Waldungen, die den Vertes bedecken.
Noch überraschender jedoch als selbst die Schönheiten des Parkes und der Aus-
sichten ist der Anblick, den die Innenwelt der Gärtnerei und ihrer Glashäuser bietet.
Aus dem Laubdickicht der Bäume blinkt eine Reihe weißer niedlicher Gärtnerhäuschen
Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
Ungarn (4), Band 16
- Titel
- Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
- Untertitel
- Ungarn (4)
- Band
- 16
- Herausgeber
- Erzherzog Rudolf
- Verlag
- k.k. Hof- und Staatsdruckerei, Alfred von Hölder
- Ort
- Wien
- Datum
- 1896
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 15.18 x 21.71 cm
- Seiten
- 616
- Schlagwörter
- Enzyklopädie, Kronländer, Österreich-Ungarn
- Kategorien
- Kronprinzenwerk deutsch