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Von der längs der Donau dahinziehenden Landstraße zweigt sich an der Comitats-
grenze bei Dnna-Földvär noch eine Comitatsstraße ab und führt über Herczegfalva und
Särosd auf Seregölyes und weiter nach Stnhlweißenbnrg. Herczegfalva ist eine
der größten Ortschaften des Comitats. Ihren großen Pußtenbesitz hat zu Beginn dieses
Jahrhunderts die Abtei Zircz mit größteutheils aus der Zirezer Gegend verpflanzten
Deutschen besiedelt und den Ort zu Ehren des Palatins Josef, dessen Steinbild auch die
Hauptstraße schmückt, Herczegfalva (Herzogsdorf) genannt. Die breiten Straßen sind
niit Baumreihen bepflanzt, die durch Gärten getrennten Häuserzeilen sehr gut gegen
Feuer geschützt.
Die Einwohner, die ihren ohnehin beträchtlichen und guten Landbesitz noch durch
den Ankauf einer benachbarten Pußta vermehrt haben, betreiben ausgedehnte Landwirth-
schaft und genießen allgemeinen Wohlstand.
Der herrschaftliche Besitzantheil von Herczegfalva gehört zu der 42.000 Joch
großen, in der Nähe von Herczegfalva gelegenen Elößalläser Domäne der Abtei Zircz.
Die in häuslicher Weise betriebene Landwirthschaft, eine der größten Herrschaften
im Laude, zeichnet sich durch zweckmäßig eingetheilte Meierhöfe, eine berühmte Pferde-
zucht, ein großes Gestüt, in welchem schwere Kmschenpserde von hohem Blut gezüchtet
werden, und durch eine große ungarische Stamm-Riuderheerde aus, neben der
neuerdings, unter Beschränkung der weniger einträglichen Schafzucht, auch auf die
Mästung von Vieh und auf Züchtung westlicher Rinderracen immer größeres Gewicht
gelegt wird.
Bei Herczegfalva liegt in nordwestlicher Richtung die Ortschaft Nagy-Lök, die
mit den zugehörigen Pußten eine größere Herrschaft des gräflichen Hauses Zichy bildet.
Außer der systematisch betriebenen Landwirthschaft verleiht ihr noch der Umstand ein
besonderes Interesse, daß die hier vorgenommenen Nachgrabungen zur Entdeckung eines
großen Urnenfeldes geführt haben, das mit seinen bronzezeitlichen Denkmälern eines der
vollständigsten und lehrreichsten Bilder der Urgeschichte in Ungarn erschloß. Nördlich von
hier liegt die Gemeinde Sä rosd mit hübschem Schloß und Park der Grafen Esterhäzy,
nordöstlich aber die Gemeinde Nagy-Hantos mit Schloß und vorzüglich bewirth-
schafteter Herrschaft des Grafen Johann Nep. Zichy sen.
In südlicher Richtung führen von Stuhlweißenburg fast parallel zwei Straßen
nach dem Tolnaer Comitat, und zwar auf der östlichen und westlichen Seite des Särviz-
Kanal-Thales. Längs derselben lagen einst Colonien von Knmanen und Petschenegen,
die aber in der Türkenzeit meist zugrunde gegangen sind. Tölgye, Csößi, Töböresök,
Szent-Ägota, Tatärsalva, Karäcsonyßälläs, Elößälläs, Gallostelke, Zedreg, Menyöd,
das waren einst lauter blühende Ortschaften, jetzt sind es blos Pußteubesitzthümer,
Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
Ungarn (4), Band 16
- Titel
- Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
- Untertitel
- Ungarn (4)
- Band
- 16
- Herausgeber
- Erzherzog Rudolf
- Verlag
- k.k. Hof- und Staatsdruckerei, Alfred von Hölder
- Ort
- Wien
- Datum
- 1896
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 15.18 x 21.71 cm
- Seiten
- 616
- Schlagwörter
- Enzyklopädie, Kronländer, Österreich-Ungarn
- Kategorien
- Kronprinzenwerk deutsch