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Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild - Ungarn (4), Band 16
Seite - 594 -
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594 die Ursache dieser Uferbildung zu ermitteln. Die ewig wandernde Flnth des Donan- stromes scheuert sich die als Ufer dienenden Hügel entlang, von denen sie unausgesetzt Theile losspült und losreißt. Daher die fast senkrechte Steilheit. Ohne Zweifel haben auch die Ufer bei Mama, Esittsny und Gamäßa einst dnrch irgend einen riesigen Strom ihre jetzige Form erhalten. Allein woher und in welcher Richtung mag dieser Strom seine furchtbare« Fluthen einhergewälzt haben? Jenes Kiesgeröll, das sich nördlich der Pußta Vilägos findet, bietet in dieser Hinsicht keinerlei Aufklärung. Es beweist nur, daß in einem früheren geologischen Zeitalter etwa 180 Fuß über der heutigen Oberfläche des Plattensees in der Richtung der Kiesschichte ein großer Strom dahinzog, dessen Bett jedoch durch spätere Umgestaltungen bis zur Spurlosigkeit verschüttet wurde. Wenn man sich hingegen einen Riesenstrom der diluvialen Periode denkt, der, von Veßprem her über die Gemarkungen von Szent-Kiraly-Szabadja und Vörös-Bereny gegen Kenese hinschwenkend, durch das Thal des Siö seine brausenden Wellen nach Südost gewälzt habe, so kann dieser Strom die wunderbaren Ufer bei Mama und Kenese gestaltet haben. Der Wellenschlag eines stehenden Gewässers war und ist nicht im Stande, dies zu bewirken. Aber auch von diesem gedachten diluvialen Riesenstrom ist gegenwärtig kein Bett mehr zu finden. Spätere geologische Umbildungen haben auch dieses begraben. Jene enge Schlucht, die von Szent Kiräly-Szabadja gegen Vörös-Bereny hinabführt und am Fuße des Apaezafara vorbei die Richtung auf den Badeort Almädi nimmt, mag sich an der Stelle des alten Bettes befinden, ist aber kein Überrest desselben. Es ist die Aufgabe der aus tüchtigen Fachmännern bestehenden Plattensee-Commission, volles Licht zu verbreiten über den geologischen Ursprung des Plattensees uud die Geschichte seiner Entwicklung zur gegenwärtigen Gestalt. Auch die Farbe des Seespiegels verdient Beachtung. Diese Farbe wechselt unausgesetzt. In plötzlichem Umschlag durchlaufen ihre mannigfaltigen Farbentöne eine ganze Scala, vom hellglänzenden Grau angefangen durch Hellgrün und Hellblau bis zum dunklen Grün und Blau. Oft sieht man, vom Tihanyer Gipfel oder der Akarattya-Höhe aus, in demselben Moment diese ganze Farbenpracht vor sich aufgerollt. Die Ursache dieser Mannigfaltigkeit sucht man auf verschiedene Art zu erklären. Ihr einziger Grund ist jedoch, wie bei dem Meere, die Wiederspiegelung der Farben, die der wolkenlose oder bewölkte Himmel trägt. Zugefroren, mit Eis bedeckt, zeigt uns der Plattensee ein ganz anderes Gesicht. Im Sommer lächelt und trauert der See mit uns, und als verstünde er das ganze Gefühlsspiel unserer Phantasie, leben und regen sich Glanz und Getöse, Wellenschlag nnd Farben seiner Fluth nach dem Pulse unserer Gedanken. Fischerkähne, Dampfschiffe und Segelbarken schwimmen oder stehen fern auf dem See. Spähende Kraniche recken sich
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Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild Ungarn (4), Band 16
Titel
Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
Untertitel
Ungarn (4)
Band
16
Herausgeber
Erzherzog Rudolf
Verlag
k.k. Hof- und Staatsdruckerei, Alfred von Hölder
Ort
Wien
Datum
1896
Sprache
deutsch
Lizenz
PD
Abmessungen
15.18 x 21.71 cm
Seiten
616
Schlagwörter
Enzyklopädie, Kronländer, Österreich-Ungarn
Kategorien
Kronprinzenwerk deutsch
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