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Plattensees zuweilen selbst ohne allen Wind, bei ruhigstem Wetter Wellen schlägt oder,
wie die Uferbewohner sagen, wallt nnd branst.
All dies ist unbegründet. Ebbe und Fluth der Meere sind ihrer Natur nach durch
die Wissenschaft schon ziemlich ausreichend erklärt. Und wenn die Ursachen nnd Bedin-
gungen der Gezeiten, denen das Meer gehorcht, sicher erkannt sind, dann ist es zweifellos,
daß der Plattensee, in Ermanglung jener Ursachen und Bedingungen, keine Ebbe nnd
Fluth haben kann. Dieser seinem Wesen nach theoretische Schluß wird thatsächlich durch
keinerlei widersprechende Erscheinung entkräftet. Der ansmerksame Beobachter, wenn er
z. B. an ruhigeu Sommertagen stuudeulaug am Ufer von Gamaßa sitzt, nimmt zwar
mitunter am Wasser eine Schwellung von mehreren Centimetern wahr, bald aber trifft
ihn auch die Berührung irgend eines irreu Lufthauches von Balaton Fiired oder Füzfö her,
dessen Druck auf die Wasserfläche schon einige Minuten früher jene Schwellung hervor-
gerufen hat. Das Wasser ist äußerst empfindlich. Die Geschwindigkeit, mit der sich diese
Empfindlichkeit fortpflanzt, zu messen, ist vielleicht unmöglich. Jedenfalls ist die durch den
Winddruck verursachte Schwellung am Ufer schon wahrzunehmen, bevor der Wind, der
den Druck ausübt, dahin gelangt.
Eine Erscheinung ähnlicher Natnr hat Veranlassung zu der irrigen Ansicht gegeben,
daß das Wasser zuweilen auch am ruhigsten Tage aufwalle. Die Winde der Tag- und
Nachtgleiche im Frühjahr und Herbst, sowie die in sehr breitem Strich verlaufenden
Winter- und Sommerstürme bringen natürlich den ganzen Plattensee in starke Bewegung.
Bei solcher Gelegenheit denkt kein Mensch an die Theorie des Aufwallens bei ruhigem
Wetter. Es gibt jedoch, besonders im Sommer, einen schmalen Strich bestreicheude
Fleckeuwiude und Wirbelwinde von kurzem Durchmesser, die ihren Druck nur auf einen
kleinen Theil der Seefläche ausüben und folglich nur auf diesem umschriebenen Theil einen
Wellenschlag hervorrufen. Den Fleckenwind uud Wirbelwind kann der Beobachter vom
Ufer aus nicht wahrnehmen, wenn der Wind keinen Staub und Kehricht mit sich führt,
was ihm ja auf dem Plattensee nicht zu Gebote steht. Wohl aber sieht er das Welleu-
gekräusel und die Schanmkämme der Wellen. Und dann beschränkt sich das Gewoge nicht
blos ans den Ort und die Zeit des Wiuddruckes. Der Flecken- oder Wirbelwind hat sich
längst besänftigt oder gelegt, während das Wasser natürlich noch immer wallt. Dieser Wind
hat die Ruhe des Wassers vielleicht mehrere Meilen weit von dem am Ufer stehenden
Beschauer gestört, aber die Wellenbewegungen pflanzen sich immer weiter fort uud
gelangen schließlich bis zum Beobachter. Diese Erscheinungen nähren den erwähnten
Irrthum.
Die Tiefe» des Plattensees sind noch nicht überall vermessen. Auf der Linie zwischen
Siöfok und Balaton-Füred beträgt die größte Tiefe vier Meter. Auch die Tiefe der
Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
Ungarn (4), Band 16
- Titel
- Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
- Untertitel
- Ungarn (4)
- Band
- 16
- Herausgeber
- Erzherzog Rudolf
- Verlag
- k.k. Hof- und Staatsdruckerei, Alfred von Hölder
- Ort
- Wien
- Datum
- 1896
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 15.18 x 21.71 cm
- Seiten
- 616
- Schlagwörter
- Enzyklopädie, Kronländer, Österreich-Ungarn
- Kategorien
- Kronprinzenwerk deutsch