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Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild - Galizien, Band 19
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202 Entschiedenheit ein. Nnr eine Frage ging trotz dieser unschlüssigen Haltung des Königs und theilweise auch infolge derselben einer Lösnng entgegen. Der Adel verweigerte vielfach der Geistlichkeit die Entrichtung des Kirchenzehenten, die Geistlichen klagten vor den kirchlichen Gerichten, erlangten Urtheile, welche auf Exeominunication lauteten, und verlangten nun nach altem Rechte die Vollziehung dieser Urtheile durch Sequestration der im Besitze der Excommunicirten befindlichen Güter von Seiten der weltlichen Obrigkeit. Dieses erbitterte den Adel derart gegen die Kirchengerichte, daß er sogar einzelne Geistliche in Schntz nahm, welche unter Mißachtung des Cölibates Ehen eingegangen waren und durch das Kirchengericht verfolgt wurden. Die Bischöfe sahen sich gezwungen, in ein In te r im zn willigen, kraft dessen die Grodstarosten bis zur endgiltigen Regelung der gauzeu Frage nicht mehr verhalten waren, das draelüum saeeulare anzuwenden und die Urtheile der kirchlichen Gerichte überhaupt zu vollziehen. Dieses öffnete der Glaubens- neuerung in Polen alle Thore. Hervorragende Reformatoren, darunter der in der deutschen Reformationsgeschichte wohl bekannte Pole Johann Laski, ein Neffe des ehemaligen Erz- bischofs von Gnesen gleichen Namens, kamen nach Polen, wo sie sich vor jeder Verfolgung sicher fühlten; es entstand plötzlich eine reiche Literatur im Geiste der Reformation, der König nahm selbst an dieser Bewegung regen Antheil, verkehrte mit hervorragenden Reformatoren persönlich und verhandelte über die Abschaffung des Cölibates und Ein- führung einer polnischen Liturgie mit Rom. Der Reichstag verlangte die Einberufung einer Nationalsynode, welcher sogar einige Bischöfe nicht abgeneigt schienen. Als aber der König sich hiezu, sowie zur Einführung der Nationalkirche nicht herbeiließ, nahm ein großer Theil des Adels und der Stadtbürger den Protestantismus eigenmächtig an. Polen büßte seine Glaubenseinheit und damit viel von seiner inneren Kraft ein. Der König wußte nicht nach dem Muster anderer Fürsten, sei es als Gegner, sei es als Förderer der Reformation, seine Regieruugsgewalt zu stärken. Indessen brach im Jahre 1557 der Krieg mit Moskau um den Besitz von Liv- land aus. Der Krieg, in den sich auch Dänemark und Schweden mischten, erheischte vor Allem die Bewilligung außerordentlicher Steuern von Seiten des polnischen Reichstages, wofür aber die Laudboten ohne gleichzeitige Förderung ihres politischen Programmes nicht zu gewinnen waren. Deshalb änderte der König seine Stellung; er neigte sich seit dem Jahre 1562 zur Reformpartei und förderte auf den nächsten Reichstagen wenigstens einige Punkte dieser Reform. Zur Einführung der nationalen Kirche konnte er sich nichl entschließen, trotzdem jetzt sein persönliches Interesse damit verknüpft war. Nach dem Tode der Barbara Radziwitt heiratete er eine Prinzessin ans dem Hanse Habsburg, Katharina. Da ihm indeß diese keine Kinder gebar und da er als letzter Sprößling der Jagiettonischen Dynastie angesichts des in Polen herrschenden, bis jetzt mehr theoretischen Wahlrechtes,
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Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild Galizien, Band 19
Titel
Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
Untertitel
Galizien
Band
19
Herausgeber
Erzherzog Rudolf
Verlag
k.k. Hof- und Staatsdruckerei, Alfred von Hölder
Ort
Wien
Datum
1898
Sprache
deutsch
Lizenz
PD
Abmessungen
16.48 x 22.34 cm
Seiten
920
Schlagwörter
Enzyklopädie, Kronländer, Österreich-Ungarn
Kategorien
Kronprinzenwerk deutsch
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