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einem Staatswesen vereinigten Polen-Lithauen geführt. Ans das Massenaufgebot wnrde
verzichtet, dagegen für bedeutende, durch den Landtag beschlossene Stenern ein beträchtliches
Söldnerheer geworben. Anstatt aber mit Iwan um Livlaud zu kämpfen, beschloß Bathory
direet gegen Moskau vorzugehen. Nach Erstürmung von Po lock und Einschließung von
Pskow kam es dnrch Vermittlung des Jesuiten Posfewiu 1582 zu einem Frieden. Moskau
wurde von der Ostsee vollkommen zurückgedrängt.
Bathory beschäftigte sich mm eifrig mit der inneren Ordunng des Reiches und mit
dem Plane eines neuen großartigen Kriegszuges, von dem es nicht ausgemacht ist, ob er gegen
die Türken, gegen die Tataren oder gegen Moskau gerichtet werden sollte. Ihm zur Seite
stand Johann Zamohski als Kanzler und Kronfeldherr, dessen Feldherrntalent im Kriege
gegen Moskau plötzlich erglänzte. Znr Befestigung der inneren Ordnung trug das vor
dem Moskauer Kriege von dem Reichstage eingesetzte Krontr ibunal bei, vor welches alle
Angelegenheiten des Adels, die sich auf Besitz, Leib und Ehre bezogen, in letzter Instanz
gelangten. Politische Verbrechen waren der königlichen Judikatur während des Reichs-
tages vorbehalten, und von diesem Rechte machte Bathory entschiedenen Gebranch, indem er
nicht zurückschreckte, sogar Mitglieder der angesehensten Geschlechter, welche sich politischer
Umtriebe schuldig gemacht hatten, vor dieses Gericht zn laden und zu verdammen. Das
Haupt des übermüthigen Samuel Zborowski fiel unter dem Beile des Henkers, und seine
Brüder, Christoph und Andreas, wurden in die Acht erklärt. Einzelne Oligarchen traten
gegen den König anf, aber dieser blieb standhaft, und die große Masse des Adels begann
einzusehen, dass das starke königliche Regiment überall Ordnung und Rnhe stifte. Leider
starb der thatkräftige König bereits im Jahre 1586.
Die Zeit seiner zehnjährigen Regierung bildet zugleich einen Höhepunkt in der
Entwickelung der polnischen Wissenschaft uud Literatur. Die katholische Gegen-
reformation macht jetzt, inmitten vollständiger Religionsfreiheit und dnrch diese unterstützt,
große Fortschritte. Die Protestanten spalten sich in Seeten und reiben sich gegenseitig anf,
die Sache der Katholiken findet einen mächtigen Borkämpfer in dem Orden der Jesuiten,
in welchen gebildete, patriotisch gesinnte Männer eintreten. Die Jesuiten predigen Bater-
landsliebe und Gehorsam gegen den König, bei dem sie auch Unterstützung finden; eine
Reihe von Schnleollegien der Jesniten entsteht in allen Provinzen des Reiches, höhere
Schulen gründen sie in Wilna und Potock. Zamoyski baut auf seinem Gnte Zamvsc
eine starke Festung znr Vertheidigung des Landes und gründet hier eine Universität
mit vorwiegend juristischer Richtung mit Ausschluß der theologischen Studien.
Das dritte In ter regnum nach dem Tode des Stefan Bathory sollte nicht nnr
zu einer Doppelwahl, sondern bereits zu einem Kriege führen. Polen theilte sich in zwei
Lager. An der Spitze des einen stand Johann Zamoyski; sein Throncandidat war der
Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
Galizien, Band 19
- Titel
- Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
- Untertitel
- Galizien
- Band
- 19
- Herausgeber
- Erzherzog Rudolf
- Verlag
- k.k. Hof- und Staatsdruckerei, Alfred von Hölder
- Ort
- Wien
- Datum
- 1898
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 16.48 x 22.34 cm
- Seiten
- 920
- Schlagwörter
- Enzyklopädie, Kronländer, Österreich-Ungarn
- Kategorien
- Kronprinzenwerk deutsch