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Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild - Galizien, Band 19
Seite - 214 -
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214 daß Friedensverträge mit blutigen Schlachten wechselten. Trotz des von König Johann Kazimir in der großen Schlacht bei Beresteezko (1651) erfochtenen Sieges über Chmielnieki und die mit ihm verbündeten Tataren zog sich der Kozakenkrieg Jahre hindurch in die Länge. Den größten Bortheil hieraus erntete Moskau. Von Chmielnieki zu Hilfe gerufen, behauptete es trotz mancher Niederlagen Kiew und das rechte Ufer des Dniepr. Die größten Wunden brachte dieser Krieg dem rnthenischen Volksthum bei. Blühende Provinzen verwandelten sich in Schutthaufen, das ganze Land wnrde durch Krieg, Hunger und durch den sogenannten d. i. durch Wegschleppung vieler Tausende in die Sclaverei der Tataren entvölkert. Diese Kriege entfremdeten auch den rnthenischen Adel nnd das Bürgerthum dem rnthenischen Volke, und sogar die rnthenische Geistlichkeit begann sich der polnischen Art anzuschmiegen. Während dieser Wirren reifte auch in Polen eine Institution, welche den letzten Grad der Auflösung der staatlichen Organisation bedeutete. Bereits in der zweiten Hälfte des XVI. Jahrhunderts hatte sich das Recht ausgebildet, daß ein giltiger Reichstagsbeschluß nur durch Stimmeneinhelligkeit zustande kommen, daß der Reichstag nur durch sechs Wochen tagen und nnr dnrch Stimmencinhelligkeit verlängert werden konnte. Seitdem war es für die Minorität ein Leichtes, jeden unliebsamen Vorschlag zu vereiteln und sogar den Reichstag dahin zu bringen, daß er nach sechs Wochen unnützer Verhandlungen, ohne einen Beschluß gefaßt zu haben, auseiuauder ging. Durch dieses Vorgehen zog sich aber die Minorität den Vorwurf unpatriotischen Handelns zu und lief immer bis znm Schlnsfe des Reichstages Gefahr, von Seiten des Königs uud der Mehrheit terrorisirt zu werden. Im Jahre 1652 ereignete es sich nun, daß ein käuflicher Landbote die ganze Schande auf sich nahm und unter dem Vorwande, er sei in der freien Ausübung seines Mandates behindert, das l iberum vetc» einlegte und dem Reichstag das Recht verweigerte, weitere Berathungen zu pflegen. Der Reichstag anerkannte dieses Vorgehen eines einzelnen Land- boten und ging auseinander. Diese Zeit der inneren Unruhen glaubten nuu Schweden und Moskau zu ihrem Vortheil ausnützen zu sollen. Im Jahre 1654, nach Beendigung des dreißigjährigen Krieges, zog Karl Gustav von Schweden mit einem auserlesenen Heere nach Polen. Der Adel meinte, daß er dem Kriege ausweichen würde, wenn er seinen König im Stiche lasse nnd dem Eindringling sich unterwerfe. Warschan nnd Krakau wurden nach kurzem Wider- stande eingenommen, während der russische Czar gleichzeitig Kiew besetzte uud bis vor Wilna drang. Auch der Fürst Rakoezy von Siebenbürgen, Chmielnieki und der Knrfürst von Brandenburg zogen gegen Polen ins Feld. Eine Theilung Polens schien unvermeidlich. Johann Kazimir mußte sich uach dem österreichischen Schlesien flüchten. In diesem Augen- blicke höchster Demüthigung nnd Gefahr erwachte aber der patriotische Sinn der Polen.
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Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild Galizien, Band 19
Titel
Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
Untertitel
Galizien
Band
19
Herausgeber
Erzherzog Rudolf
Verlag
k.k. Hof- und Staatsdruckerei, Alfred von Hölder
Ort
Wien
Datum
1898
Sprache
deutsch
Lizenz
PD
Abmessungen
16.48 x 22.34 cm
Seiten
920
Schlagwörter
Enzyklopädie, Kronländer, Österreich-Ungarn
Kategorien
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