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Diese politische Richtung vertrat sowohl im Lande als anch der Central-
regiernng gegenüber am wirksamsten der neuerdings znm Statthalter ernannte Graf
Agenor Gotuchowski. Der galizische Landtag erklärte iin Jahre 1866 nach dem unglück-
lichen Kriege in einer Adresse an die Krone: „Bei Euerer Majestät stehen wir und wollen
wir stehen!" Diese einfachen, aber aus der Tiefe des Herzens gesprochenen Worte
sind zum politischen Programme des ganzen Landes und seiner parlamentarischen Ver-
tretungen geworden. Die galizischeu Abgeordneten traten für alles ein, was die innere
Festignng nnd die äußere Machtstellung der Monarchie erheischte, gleichzeitig aber
errangen sie für das Land jene Bedingungen, welche für dessen Selbstverwaltung und für
eine ersprießliche Entwicklung seiner nationalen und wirthschaftlichen Interessen erforderlich
waren. In diesem Streben hat das Land den mächtigsten Gönner in der Person Seiner
Majestät des Kaisers Franz Joseph I. gefunden und dessen Allerhöchster Huld hatte es zu
verdanken, daß seine Wünsche in kurzer Zeit iu Erfüllung gingen.
Im Jahre 1867 wurde kraft kaiserlicher Verordnung die Leitung aller Mittel- und
Volksschulen in Galizien einem Landesschnlrathe überwiesen, in welchem neben
Regiernngsbeamten auch Vertreter autonomer Körperschaften Sitz und Stimme erhielten;
gleichzeitig aber wurde ein Landesgesetz sanctionirt, welches in allen Volks- und Mittel-
schulen Galiziens die polnische, beziehungsweise ruthenische Sprache als Unterrichtssprache
einführte. Dasselbe verfügten etwas später kaiserliche Verordnungen hinsichtlich der beiden
Universitäten und der technischen Hochschule. Eine kaiserliche Verordnung vom Jahre 1869
führte die polnische Sprache mit entsprechender Berücksichtigung der rnthenischen als Amts-
sprache bei allen politischen, Finanz-, und Justizbehörden in Galizien ein. Infolge dessen
wurde den einheimischen Elementen, Polen nnd Rnthenen, nicht nnr die Möglichkeit zn
Theil, sich iu ihrer Muttersprache auszubilden, sondern es wnrde auch die Verwaltung des
Landes in ihre Hände gelegt.
Die nächsten sünsnndzwanzig Jahre bilden nnn für Galizien den Zeitraum eines
nngehofften Aufschwunges in jeder Beziehung. Dem Schulwesen wurde die' größte Auf-
merksamkeit zugewendet. Auf Grund der im Jahre 1873 erlassenen Landes-Schnlgesetze
wurden die bestehenden Volksschulen vollkommen reorganisirt nnd um das Doppelte
vermehrt, und obwohl auf diesem Gebiete noch vieles zn thnn übrig bleibt, so ist doch die
Volksaufklärung bis in die untersten Schichten gedrungen. Die Zahl der Mittelschulen hat
sich desgleichen vermehrt und deren Schülerzahl ist auf das Dreifache gestiegen. Neben
Gymnasien und Realschulen entstand anch eine Reihe von besonderen Gewerbeschulen
nnd landwirthschaftlichen Lehranstalten, welche ans die ökonomische Entwicklung des
Landes nachhaltigen Einfluß ausüben. Die beideu Universitäten und die technische Hoch-
schule haben sich durch Vermehrung der Lehrkanzeln und Errichtung und Ausgestaltung
Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
Galizien, Band 19
- Titel
- Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
- Untertitel
- Galizien
- Band
- 19
- Herausgeber
- Erzherzog Rudolf
- Verlag
- k.k. Hof- und Staatsdruckerei, Alfred von Hölder
- Ort
- Wien
- Datum
- 1898
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 16.48 x 22.34 cm
- Seiten
- 920
- Schlagwörter
- Enzyklopädie, Kronländer, Österreich-Ungarn
- Kategorien
- Kronprinzenwerk deutsch