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Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild - Galizien, Band 19
Seite - 253 -
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253 vortrefflicher Soldat, umsvmehr, als er blind gehorcht, den Führern anhänglich nnd in allen Mühen und Beschwerden außerordentlich ausdauernd ist. Er liebt Musik nnd Gesang, doch nicht so wie der Böhme, vielmehr wie ein Soldat, der ohne Trommel- nnd Trompetenschall nicht marschiren, ohne Pfeifen, Singen, Tanzen, Musik oder Prügelei keinen freien Augenblick verbringen kann. Es muß ihm immer etwas in den Ohren klingen, wenn nichts anderes, so doch wenigstens Gespräch oder menschliches Treiben. „Polen stumm machen", hat einmal einer der größten Dichter gesagt, „das heißt Polen deutsch machen." So wäre anch Musik uud Tanz für dieses Bolk gar nichts, wenn es nicht selbst sänge. Die Musik muß die Melodie aufnehmen, die er ihr vorsingt nnd danach tanzt er. Mit den Füßen stampst er aber jeden Augenblick so heftig, daß die Dielen krachen; ohne dieses Stampfen gäbe es keine Lustbarkeit für ihn, wäre es kein polnischer Tanz. Das Lied ist kurz und ungekünstelt, die Melodie sehr einfach, doch ist alles kernig, männlich hart; während die Jnngen singen und springen und mit den Füßen stampfen, nnterhalten sich die Alten lärmend. Dieser Lärm ist speeifisch polnisch und etwa dem Getümmel in einem Lager zu vergleichen. Dieser tiefe Glaube und die daraus fließende seelische Gesundheit in Berbindung mit dieser Soldaten-Bravour, mit dieser jugendlichen Heiterkeit des Gemüths, mit dieser offenen lärmenden Fröhlichkeit, mit diesem unbefangenen Lachen: das ist die polnische Kalokagathie, die umso schöner nnd werthvoller ist, als an ihr nichts Unnatürliches und sie in eine gewisse ernste Würde gehüllt ist, die das polnische Bolk in dieser Hinsicht am meisten dem deutschen Bolke nähert. Nebst der Arbeitsamkeit, den wirthschaftlichen Kenntnissen und der Aufklärung ist es gerade dieser Ernst des Deutschen, welcher dem polnischen Bauer am besten gefällt, denn er ist ihm gleichsam ein Widerschein seiner eigenen Art nnd Weise. Es verbindet sie anßerdem eine große Geradheit des Charakters, sie sind beide ohne Lug und Trug. Darum hat auch der polnische Bauer kein Bornrtheil gegen den deutschen Landmann, welches ihre gegenseitigen Beziehungen erschweren würde, znmal sie eines lind desselben Glanbens sind. Der Pole anerkennt sogar neidlos im Deutschen etwas Besseres und Höheres; nnr möge Gott es verhüten, daß ihn der Deutsche aus diesem Grunde etwa geringschätze; dann ist's mit der Freundschaft aus, denn dann schwindet die Empfindung, daß der Andere ihm gleich edel sei und jene persönliche Würde, die sogar im ärmsten nnd ungebildetsten Polen unglaublich lebhaft ist, findet sich sofort verletzt. Hinters Licht führen nnd betrügen kann man den Polnischen Bauer leicht geuug, deuu er ist harmlos und setzt bei Niemandem ihm feindselige Instinkte voraus; allein ans eigenem Antriebe wird er nie etwas Leichtsinniges nnd Oberflächliches unternehmen. In dieser Beziehung ragt er sogar über die aufgeklärteren Schichten der Nation hinans. Daraus läßt sich anch vor Allem der schwache Antheil der polnischen Landlcnte an
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Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild Galizien, Band 19
Titel
Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
Untertitel
Galizien
Band
19
Herausgeber
Erzherzog Rudolf
Verlag
k.k. Hof- und Staatsdruckerei, Alfred von Hölder
Ort
Wien
Datum
1898
Sprache
deutsch
Lizenz
PD
Abmessungen
16.48 x 22.34 cm
Seiten
920
Schlagwörter
Enzyklopädie, Kronländer, Österreich-Ungarn
Kategorien
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