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Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild - Galizien, Band 19
Seite - 255 -
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255 Ausgebildete politische Überzeugungen hat das polnische Volk in Galizien nicht, allein es hat feste politische Jnstincte. Es ist konservativ, wie selten eines, und in seinen Familienbeziehungen und seinem Lebensbezirke aristokratisch; dabei ist der Bauer ein- gefleischter Monarchist und unversöhnlicher Feind der republikanischen Staatsform, „denn", sagt er, „wo sechs Köche sind, ist nichts zum Essen da". Der polnische Bauer ist gewöhnlich von mittlerem Wüchse, kräftig und sehnig gebaut, breitschulterig, hat einnehmende, oft sogar schöne Gesichtszüge und besitzt eine reiche geistige Begabung. Er denkt langsam, zeigt jedoch über Dinge, welche er versteht, ein gesundes Urtheil. Seine Aufklärung, sowie sein ökonomischer Zustand stehen noch hinter denen glücklicherer Kronländer Österreichs zurück, doch ist seit dem Beginn der konstitu- tionellen Ära ein sichtbarer, ja riesiger Fortschritt zu verzeichnen. Die Mehrzahl der Bauernsöhne, welche höhere Schulen besuchen, wendet sich dem geistlichen Stande zu, da es die Eltern am liebsten sehen. Doch fehlt es auch nicht an höher gebildeten Bauern- söhnen in anderen Fächern, von der niedersten bis zur höchsten Stufe des Dienstes. Jene, welche mit der Volksschule ihre Schulbildung schließen und beim Feldbau verbleiben, bilden sich mit Hilfe der Bücher und Schriften der landwirthfchaftlichen Gesellschaften und Verbindungen selbständig weiter. Der ausdauernde Arbeiter ist ungemein auf Grundbesitz erpicht nnd seiner Heimatsgegend unendlich zugethan. Um Brod zu gewinnen, wird er auch nach Amerika geheu, hat er aber einige Groschen zusammengescharrt, kehrt er sehnsüchtig nach dem Vaterlande zurück. Die Zeiten sind überhaupt vorüber, da er sich um den kommenden Morgen nicht bekümmerte. Eine Schattenseite des polnischen Volkes ist ein gewisses Mißtrauen gegen die gebildeten Schichten der Nation. Dieses Mißtrauen trifft auch den auf dem Lande wohnenden Edelmann, wendet sich aber vor Allem gegen die Städtebewohner. Der geringere Grad der Religiosität, die leichteren Sitten, der Dünkel, die Sncht, Andere auszunützen, alles dies mißfällt dem Landmauue. Das städtische Element erscheint ihm wie der Sand am Wege, mit welchem der Wind nach seiner Lnst umgeht, den er einmal hierhin, einmal dorthin treibt; ein schwaches, gegen Mühsale nicht ansdanerndes, mit dem Maul tapferes, vor dem Schrecken erbebendes Element. Die Gastfreundschaft, die das Sprichwort vortrefflich in die Worten zusammenfaßt: „Ein Gast im Haus, Gott im Haus" ist auch dem polnischen Volke eigen, doch wie ehemals bei dem Landadel in die Vorliebe für langdauernde Lustbarkeiten bei jedem häuslichen Anlaß, z. B. Hochzeiten, Kindstaufen ?c. fowie in den Hang, sich auf Jahr- märkten und Zusammenkünften herumzutreiben ausgeartet, was Zeit- und Geldverluste nach sich zieht. Dies war namentlich in den vorconstitntionellen Zeiten verderblich, da Trunksucht stark grassirte.
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Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild Galizien, Band 19
Titel
Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
Untertitel
Galizien
Band
19
Herausgeber
Erzherzog Rudolf
Verlag
k.k. Hof- und Staatsdruckerei, Alfred von Hölder
Ort
Wien
Datum
1898
Sprache
deutsch
Lizenz
PD
Abmessungen
16.48 x 22.34 cm
Seiten
920
Schlagwörter
Enzyklopädie, Kronländer, Österreich-Ungarn
Kategorien
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