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Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild - Galizien, Band 19
Seite - 256 -
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256 Wie für den Polen überhaupt der polnische Edelmann typisch ist, so drückt sich die Natur des polnischen Landvolkes im Krakowiaken aus. Was in diesem bis zur höchsten Stufe entwickelt ist, das findet man in höherem oder geringerem Grade auch bei allen Anderen. Der Gorale. welcher ums Brod weit in die Welt hinaus wandert, ist ver- schlossener, gewandter, realistischer, der Maznre, der gegen Rnthenien vorgeschoben ist, hat einen Anflug von Melancholie, von sanfter Langsamkeit, von Mißtrauen und ist weit weniger hnrtig nnd unternehmend. Trachten. — Es gibt drei Haupttypen der Landestrachten, welche ans den ersten Blick leicht wahrzunehmen nnd zu unterscheiden sind: den Krakauer-, den Goralen- (Gebirgs-) und den Mazurischen Typus; doch hat ein jeder von ihnen hunderterlei Varietäten. Fast in jedem Dorfe begegnet man etwas Abweichendein: in der Farbe, im Schnitt, im Fehlen oder Hinznkoinmen verschiedener Details, endlich sogar in verschiedener Art des Tragens eines und desselben Gewandstückes. Der Übergang von einem Typus in den anderen ist gleichfalls ein sehr allmaliger; dieses trägt ebenfalls zur Bereicherung der ohnedies schon großen Mannigfaltigkeit bei. Endlich kommt es auch vor, daß auf dem Terrain einer bestimmten Tracht irgend etwas ganz Abweichendes austaucht, das zu keinem der Haupttypen gehört, das eiu polnisches, aber kleinstädtisches und nicht etwa ländliches oder sreuidartiges, durch Eolvnisten importirtes Gepräge hat. In dieser Hinsicht ist das inaznrische Terrain sehr bemerkenswerth. Und schließlich trägt auch der Stoff, aus welchem die Tracht verfertigt wird, nicht wenig dazu bei, sie inauuigfaltig zu gestalte«. Diese reiche Vielfältigkeit ist indessen durchaus kein unverständliches Chaos, es ist Ordnung und Gesetz darin; man kann deutlich sehen, ivie sich ein Typus aus dem andern entwickelt und wenn mau nach den Ursachen der auffälligsten Unterschiede forscht, so begreift man bald, warum etwas so uud nicht anders gerathen ist. In den Gebirgsländern ist die Schafwolle vorherrschend, da das Klima dort rauher ist; in der Ebene hingegen, wo es wärmer ist, Hans und Lein zugänglicher sind, herrscht das Leinengewebe vor. Die Bewohner der Ebene gefallen sich in langen, faltigen Gewändern, die Goraleu lieben kürzere und knappere Gewandung. Allein anch in der Ebene kann es verschiedene Lebensbedingungen geben, denen sich die Tracht anpassen muß. In einer Waldgegend muß die Volkstracht jener der Berg- bewohner nahekommen nnd es ist in der That interessant, unter diesem Gesichtspunkt den Goralen der Karpathen mit dem Lasowiaken (Wäldler), dem Mazureu der Sangegend, zu vergleichen. Das Oberkleid des Lasowiaken ist zwar länger als das des Goralen, doch kürzer als das des Bewohners der freien Ebenen. Im Winter ist es tieser Schnee, im Sommer der Thau auf den Gräsern, oder es sind diese Gräser selbst, verschiedenes Gestrüpp, abgefallene Äste, umgestürzte Baumstämme, welche eine längere Gewandnng unbequem
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Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild Galizien, Band 19
Titel
Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
Untertitel
Galizien
Band
19
Herausgeber
Erzherzog Rudolf
Verlag
k.k. Hof- und Staatsdruckerei, Alfred von Hölder
Ort
Wien
Datum
1898
Sprache
deutsch
Lizenz
PD
Abmessungen
16.48 x 22.34 cm
Seiten
920
Schlagwörter
Enzyklopädie, Kronländer, Österreich-Ungarn
Kategorien
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