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Das Hemd, welches gleichfalls mit einein Umlegekragen versehen ist, wird am Halse
gewöhnlich mit einer blanken Nadel zusammengesteckt. Der Gürtel ist von mäßiger Breite,
schwarz und glänzend. Auf dem Kopfe sitzt eine Mütze aus weißer Schafwolle, die man
L-uIlitk, auch Naxieiku, nennt. Sie ist auch im Krakauer Gebiet nicht unbekannt, doch
ist ihre Form hier schöner. Im Sommer ein Strohhut eigener Mache, im vorgenannten
Typus, nnr ist er zierlicher. Die Beinkleider sind wie dort aus weißer Leinwand oder
aus irgend einem dunklen Stoffe verfertigt. Auch hier werden sie in die Stiefelschäfte
gesteckt. Die Stiefel haben Eisenbeschläge, sind aber schöner, als die des Krakauer Bezirkes.
Nicht ganz eine halbe Meile gegen Osten von diesen Weichselanwohnern, gegen den
San zu, beginnt das Gelände der Lasowiaken, so genannt nach den ehemals ungeheuren
Wäldern der Saudomir'scheu Wilduiß, vou welcher noch heute beträchtliche Flächen übrig
sind. Der Lasowiake stellt hinsichtlich seiner Tracht sowie auch in vielen anderen
Beziehungen einen sehr ausgeprägten mazurischeu Typus dar. Wie den Goralen und den
Krakowiaken, so kann man anch den Lasowiaken sofort an seiner Tracht erkennen. Erstens
trägt heute aus dem ganzen Erdenrund Niemand eine der seinigen ähnliche Mütze. Sie
heißt Uu^iei-Ka, was heißen soll ^VWierka (von Wengier ^ Ungar), denn noch im
XVI. Jahrhundert nannte man einen Ungarn auf polnisch einen Magier (vermuthlich
von Magyar). Auch kütorvxvka wird eine solche Mütze geuauut, woraus zu schließen
ist, daß diese Mütze zuerst mit Stefan Bathory, dem Könige von Polen (1576 bis
1586), bekanntlich Fürsten von Siebenbürgen, herübergekommen war. Es ist dies
eine Mütze aus grobem dunkelbraunen Tuche, wie es immer dem Maznren zur
Sukinane dient. Sie ist ziemlich hoch und flach, nach oben zu auf einer Seite breiter
werdend, oben mit einem rothen Schnürchen benäht. An der breiter werdenden Seite
befindet sich, von unten bis hinauf laufend, das „Blümchen", auch „Kukuruz" genannt,
ein vier Finger breiter Aufputz, welcher aus den aufgekrempelten Fäden einer rothen
Schnur hergestellt und hie und da mit einigen Steppstichen an die Mütze befestigt ist.
In manchen Gegenden ist diese rund und hat anstatt dieses „Kukuruz-Aufputzes"
einige blaue Blümchen, welche hie und da an die oben hernmlanfende Schnur angeheftet
sind. Der selbst verfertigte Strohhut unterscheidet sich wenig von jenem der beiden anderen
Typen. Die Sukmane ist aus grobem dunkelbraunen Tnche, ihr Schnitt ein solcher, wie
er etwa schon zu Zeiten Mieeislans I. oder Bvleslaus des Tapseren üblich sein mochte.
Der Kragen ist stehend, ganz schmal, oben und unten mit einem blauen Schnürchen
besetzt; außer dem Besatz mit blauem Schnürchen vorne uud rückwärts, sowie blauen
Ärmel-Ausschlägen hat dieses Gewand keinerlei andere Zier. Seitentaschen fehlen; nach
unten zu, durch von den Hüften ausgehende sogenannte Zwickel sich erweiternd, reicht
es kaum bis an die Knie. Der Pelz sowie die Leinensnkmane sind von demselben
Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
Galizien, Band 19
- Titel
- Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
- Untertitel
- Galizien
- Band
- 19
- Herausgeber
- Erzherzog Rudolf
- Verlag
- k.k. Hof- und Staatsdruckerei, Alfred von Hölder
- Ort
- Wien
- Datum
- 1898
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 16.48 x 22.34 cm
- Seiten
- 920
- Schlagwörter
- Enzyklopädie, Kronländer, Österreich-Ungarn
- Kategorien
- Kronprinzenwerk deutsch