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Vor dreißig Jahren hatten anch in der Ebene die Häuser, wie heute bei den Goralen,
keine Rauchfänge, die beim Dach hinausragen. Der Gorale sieht keine so dringende Noth-
wendigkeit ein, irgend etwas an dieser seiner Einrichtung zu ändern, da der Rauch ihn
nicht so belästigt, wie den Bewohner der Ebene. Dagegen konnte der Rauch der Häuser
im Flachlande aus dem Ofen nicht durch Öffnungen in der Decke auf den Dachboden
entweichen, da dieses, aus Stroh hergestellt, sich leicht hätte entzünden können; der einzige
Abzugsweg des Ranches war also die Thüre; allein infolge dessen ward die ganze Stube
mit Rauch angefüllt und mußte geöffnet bleiben, solange es brannte und bis der Rauch
entwichen war. Zur Winterszeit war dies also eine sehr unbequeme, stets aber eine
unangenehme Sache.
Die ländliche Bevölkerung theilt sich in Hauswir the oder Landwir the (Kospa-
dar?.), in den Bergen Kaxcka genannt, Häusler (ekalupniki), Einleger (komorniki)
und Taglöhner (n^robniki). Die Hauswirthe und Lancias sind Besitzer von Grund
und Boden unter 100 Morgen. Die meisten aber sind solche, welche von 5 bis 10 Morgen
besitzen. Der Häusler besitzt ein Haus und etwas Gründ; die gleiche Bedeutung haben der
Einleger und der Taglöhner, obwohl ihre Benennung besagt, daß der Einleger bei anderen
auf der Stube wohnt und der Taglöhner von seiner Hände Arbeit lebt. Leute, welche
ganz ohne Grund und Haus sind, ergreifen ein Handwerk, gehen in die Edelhöfe in Dienst
oder ziehen als Arbeiter in Städte und Fabriken. Solcher, die bei anderen Insassen sind
nnd einen Erwerb haben, gibt es im Dorfe sehr wenige. Ländliche Taglöhner sind jene
Eigenthümer, welche nur ein Haus und sehr wenig Grund besitzen. Diese treiben außer der
Hauswirthschaft entweder ein Handwerk, wie die Schusterei, Schneiderei, Weberei, das
Radmacher-, das Zimmermanns-, das Schmiedehandwerk, oder sie verdingen sich sammt
ihrer Familie zur Feldarbeit, sowohl beim Herrenhofe als auch bei den wohlhabenderen
Hauswirthen. Solange es noch keine Eisenbahnen gab, bildete bei der Bevölkerung
der Weichselufer das Flößergewerbe eine eigene Einnahmsquelle. Es wurden nämlich
verschiedene Laudesproduete, unter anderen Getreide und Hölzer auf den sogenannten
I r a l w ? sHolztraften) und Kalar? (Galeeren) nach Danzig geflößt. Obwohl das
Flößergewerbe heute gesunken ist, so wird es doch noch ausgeübt und hat für die, welche es
betreiben, im Verhältniß zum einförmigen Leben des Landmannes einen eigenthümlichen
Reiz. Es gibt auch auf dem Floße schwere Arbeit genug, allein wie viel angenehmer
wird sie durch ihre Verschiedenheit von dem alltäglichen Leben und Treiben, dann durch
den Anblick so vieler neuer Gegenden, Dörfer und Städte. Außerdem fehlt es, wenn man
ans Ufer stößt, auch nicht an anderen Vergnügungen. Einer nnd der andere von den
Flößern versteht es, auf der Geige oder einem andern Instrumente zu spielen, da klingt es
dann wider von Mnfik und Gesang. Anch kann man sich im nächsten Dorf oder Städtchen
Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
Galizien, Band 19
- Titel
- Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
- Untertitel
- Galizien
- Band
- 19
- Herausgeber
- Erzherzog Rudolf
- Verlag
- k.k. Hof- und Staatsdruckerei, Alfred von Hölder
- Ort
- Wien
- Datum
- 1898
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 16.48 x 22.34 cm
- Seiten
- 920
- Schlagwörter
- Enzyklopädie, Kronländer, Österreich-Ungarn
- Kategorien
- Kronprinzenwerk deutsch