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Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild - Galizien, Band 19
Seite - 271 -
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271 Vor dreißig Jahren hatten anch in der Ebene die Häuser, wie heute bei den Goralen, keine Rauchfänge, die beim Dach hinausragen. Der Gorale sieht keine so dringende Noth- wendigkeit ein, irgend etwas an dieser seiner Einrichtung zu ändern, da der Rauch ihn nicht so belästigt, wie den Bewohner der Ebene. Dagegen konnte der Rauch der Häuser im Flachlande aus dem Ofen nicht durch Öffnungen in der Decke auf den Dachboden entweichen, da dieses, aus Stroh hergestellt, sich leicht hätte entzünden können; der einzige Abzugsweg des Ranches war also die Thüre; allein infolge dessen ward die ganze Stube mit Rauch angefüllt und mußte geöffnet bleiben, solange es brannte und bis der Rauch entwichen war. Zur Winterszeit war dies also eine sehr unbequeme, stets aber eine unangenehme Sache. Die ländliche Bevölkerung theilt sich in Hauswir the oder Landwir the (Kospa- dar?.), in den Bergen Kaxcka genannt, Häusler (ekalupniki), Einleger (komorniki) und Taglöhner (n^robniki). Die Hauswirthe und Lancias sind Besitzer von Grund und Boden unter 100 Morgen. Die meisten aber sind solche, welche von 5 bis 10 Morgen besitzen. Der Häusler besitzt ein Haus und etwas Gründ; die gleiche Bedeutung haben der Einleger und der Taglöhner, obwohl ihre Benennung besagt, daß der Einleger bei anderen auf der Stube wohnt und der Taglöhner von seiner Hände Arbeit lebt. Leute, welche ganz ohne Grund und Haus sind, ergreifen ein Handwerk, gehen in die Edelhöfe in Dienst oder ziehen als Arbeiter in Städte und Fabriken. Solcher, die bei anderen Insassen sind nnd einen Erwerb haben, gibt es im Dorfe sehr wenige. Ländliche Taglöhner sind jene Eigenthümer, welche nur ein Haus und sehr wenig Grund besitzen. Diese treiben außer der Hauswirthschaft entweder ein Handwerk, wie die Schusterei, Schneiderei, Weberei, das Radmacher-, das Zimmermanns-, das Schmiedehandwerk, oder sie verdingen sich sammt ihrer Familie zur Feldarbeit, sowohl beim Herrenhofe als auch bei den wohlhabenderen Hauswirthen. Solange es noch keine Eisenbahnen gab, bildete bei der Bevölkerung der Weichselufer das Flößergewerbe eine eigene Einnahmsquelle. Es wurden nämlich verschiedene Laudesproduete, unter anderen Getreide und Hölzer auf den sogenannten I r a l w ? sHolztraften) und Kalar? (Galeeren) nach Danzig geflößt. Obwohl das Flößergewerbe heute gesunken ist, so wird es doch noch ausgeübt und hat für die, welche es betreiben, im Verhältniß zum einförmigen Leben des Landmannes einen eigenthümlichen Reiz. Es gibt auch auf dem Floße schwere Arbeit genug, allein wie viel angenehmer wird sie durch ihre Verschiedenheit von dem alltäglichen Leben und Treiben, dann durch den Anblick so vieler neuer Gegenden, Dörfer und Städte. Außerdem fehlt es, wenn man ans Ufer stößt, auch nicht an anderen Vergnügungen. Einer nnd der andere von den Flößern versteht es, auf der Geige oder einem andern Instrumente zu spielen, da klingt es dann wider von Mnfik und Gesang. Anch kann man sich im nächsten Dorf oder Städtchen
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Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild Galizien, Band 19
Titel
Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
Untertitel
Galizien
Band
19
Herausgeber
Erzherzog Rudolf
Verlag
k.k. Hof- und Staatsdruckerei, Alfred von Hölder
Ort
Wien
Datum
1898
Sprache
deutsch
Lizenz
PD
Abmessungen
16.48 x 22.34 cm
Seiten
920
Schlagwörter
Enzyklopädie, Kronländer, Österreich-Ungarn
Kategorien
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