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Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild - Galizien, Band 19
Seite - 278 -
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278 Wenn sie einsam in ihrem Kummer weinte, da tröstete ihr Liedchen sie im Garten und athemlos flog sie vor dem Sohue einher mit der Botschaft, daß heute die Lehre vorüber sei und sie zwitscherte: „Herrin, trockne die Thränen, Dein Sohn kehrt heim!" Und als auf Golgatha die Erde darob erbebte, daß Gott auf dem Kreuze verscheide, da flog die Lerche an die heilige Schläfe heran und zog mit dem Schnabel einen Stachel aus der Dornen- krone, damit nur um ein Tröpfchen Blut weniger ans seinen Wnnden vergossen werde. „Dann hat sie ob des Heilands Haupte geweint, daß er die Dornenkrone müsse trageu, daß Stachel auch in seine Schläfen drückten dieselben Hände, die ihn ans Kreuz geschlagen, dann nahm die Gottesmutter, die Schützerin der Kleinen, die kleine Schmerzenszeugin mit in Himmel, wo sie nun Sängerin ist der Ewigreinen." Vor der Jnngfran Throne singt sie früh und abends den englischen Gruß und wenn auch die irdischen Glocken verstummen, so strömt noch immer ihre Seele in Liedern aus und sie verliert sich so ganz in dem entzückten Sange, als ob im Lied allein nur Leben wäre. Die Gottesmutter aber lauscht sinnend dem Liede ihrer Sängerin und t räumt . . . sie träumt von den Menschen nnd wie ihrer Erden- noth zu steuern . . . Wer aber ihrem Vögelchen auf Erden ein Unrecht znfügt, den verurtheilt der Herr und den straft er schwer. Auch die Sperlinge sind überall da, wo es Bauern gibt; aber das sind Schaden- stifter und es werden ihrer so viele, daß sie den Landmann zugrunde richten würden, wenn sie nicht irgendwo umkämen. Am Tage der heiligen Apostel Simon und Inda, zu Ende Oetober, zeigeu sich keine Sperlinge auf den Feldern, weil an diesem Tage der Teufel diese Vögel iu einen ungeheuren Scheffel einfängt und sie in die Hölle ausschüttet. Er läßt uur so viele auf der Welt zurück, als übrig bleiben, wenn er den vollen Scheffel streicht. Sowie jeder Vogel seine eigene Geschichte hat, so verhält es sich auch mit den Bänmen. Zur Zeit, als Christus der Herr mit dem heiligen Petrus in der Welt wanderte, lebte ein Weib des Namens Kalma. Sie war so schön wie eine Rose; aber sie kränkte sich darüber, daß sie keine Nachkommenschaft hatte und sterben sollte, ohne auch nur eine Spur ihres Namens zurückzulassen. Da erbarmte sich der Herr Jesus ihrer und schuf eiuen Strauch mit Beeren so herrlich wie ihr Gesicht und nannte ihn Kalma (Berberisbeere, Berberize) für alle Zeiten. In der Nacht vom grünen Donnerstag auf den Eharfreitag bezeugen alle Bänme des Waldes durch ein dumpfes Brausen ihren Schmerz ob der schrecklichen Martern Jesu Christi; der Hagedorn allein klagt mit menschlicher Stimme und weint. Die Ursache davon ist folgende: Als Christus der Herr leiden sollte, da sandte man Soldaten in den Wald, welche die Marterwerkzeuge verfertigen sollten. Beim Anblick der Kriegsleute mit den Beilen erriethen die Bäume, um was es sich handle. Es erfaßte sie ein furchtbares Wehe, denn keiner von ihnen wollte ein Marterwerkzeug für seinen Erschaffer werden. Der ganze
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Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild Galizien, Band 19
Titel
Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
Untertitel
Galizien
Band
19
Herausgeber
Erzherzog Rudolf
Verlag
k.k. Hof- und Staatsdruckerei, Alfred von Hölder
Ort
Wien
Datum
1898
Sprache
deutsch
Lizenz
PD
Abmessungen
16.48 x 22.34 cm
Seiten
920
Schlagwörter
Enzyklopädie, Kronländer, Österreich-Ungarn
Kategorien
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