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Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild - Galizien, Band 19
Seite - 280 -
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280 heftig schluchzend, immer fort: „Ach heiligste Jungfrau! erbarme dich, erbarme dich meiner! Ich werde dafür den Kinderchen Streiche geben, so oft sie die Leiden und Lehren deines einzigen Söhnchens vergessen." Die heilige Gottesmutter erbarmte sich ihrer, da gingen die Soldaten an ihr vorüber. Hinter der Birke stand der Hagedorn, von Dornen starrend, hoffärtig und frech in seiner Jugendfülle. „Was soll ich denn fürchten?" sagte er bei sich, „wozu könnten sie mich denn gebrauchen?" „Seht einmal!" rief in diesem Augen- blick einer der Kriegsleute, „was für ein prächtiger Strauch zu einer Krone!" Da hieben sie den Strauch ab, flochten eine Krone aus seinen Dornen und aus seinem Holze machten sie das Heft einer Geißel, womit sie den Leib des Weltheilands schlagen sollten. Daher kommt es, daß in der Nacht vom Gründonnerstag auf den Charfreitag, wenn alle Bäume des Waldes ihren Schmerz in dnmpfem Rauschen bezeugen, der Hagedorn allein mit mensch- licher Stimme wehklagt und weint. Viele Leute denken darüber nach, wie man die Armut aus der Welt schaffen könnte; allein daraus wird nichts, denn die Armut ist ewig. Das geschah aber so. Als der heilige Petrus noch auf Erden ging und zur Bekräftigung der Lehre des Heilands Wunder wirkte, da traf es sich einmal, daß ihn die Nacht überraschte und er um ein Nachtlager bitten mußte. Zu diesem Zwecke trat er bei einem armen Häusler ein, der „Armut" hieß. Armut, der schon viel vom heiligen Petrus reden gehört hatte, wurde verlegen. „Womit kann ich Euch denn hier bewirthen, werther Herr?" sagte er, „ich besitze mir diese elende Lehmhütte mit faulem Streulager und meine Nahrung besteht in Schwarz- brod und Wasser." — „Das ist hinreichend, Du mein Braver, wenn Du mich nur über Nacht behalten willst, so bin ich's wohl zufrieden." — „Wenn dem so ist", sagt Armut, „so will ich Euch sehr gerne aufnehmen, denn Ihr könnt in der finstern Nacht unmöglich weiter gehen." Am anderen Morgen rüstet sich der heilige Petrus zur Reise uud sagt beim Scheiden: „Gott lohne Dir Deine Gastfreundschaft, Du guter Mensch; Gold und Silber habe ich nicht, aber stelle irgend eine Bitte an mich und sie wird um Deines guten Herzens willen erfüllt werden." — „Wenn ich um etwas bitten soll", antwortet Armut, „so ist's eine einzige Sache. Hier vor meinem Hause steht der Birnbaum, den Ihr seht, der mir alljährlich wohlschmeckende Früchte trägt; das ist mein einziger Leckerbissen und meine ganze Freude bei meiner schweren Arbeit; was nützt es aber, wenn immer irgend Jemand, sei's bei Tage oder bei Nacht, die Früchte davon abreißt. Wenn Ihr es doch so machen könntet, daß, sobald Jemand auf den Baum steigt, er nicht herunterkönne, ehe ich ihn befreie." — „Es geschehe nach Deinem Wunsche", antwortete der heilige Petrus und ging seiner Wege weiter. In der folgenden Nacht erwacht Armut plötzlich, da Jemand vor dem Hause schrecklich schreit und wehklagt. Armut eilt hinaus und erblickt einen Missethäter, der auf seinem Birnbaum sitzt und auf keine Weise herunter kann: irgend eine unsichtbare
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Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild Galizien, Band 19
Titel
Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
Untertitel
Galizien
Band
19
Herausgeber
Erzherzog Rudolf
Verlag
k.k. Hof- und Staatsdruckerei, Alfred von Hölder
Ort
Wien
Datum
1898
Sprache
deutsch
Lizenz
PD
Abmessungen
16.48 x 22.34 cm
Seiten
920
Schlagwörter
Enzyklopädie, Kronländer, Österreich-Ungarn
Kategorien
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