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Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild - Galizien, Band 19
Seite - 285 -
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285 Wesen zu berichten: Von Riesen, welche die Wolken nach sich ziehen, wie auch vom Donner. Diese Riesen sind Lnstgestalten, ebenso, scheint es, der Donner, welcher indessen auch auf der Erde wandelt. Der Donner ist der Jäger, welcher den geheimnißvollen Nachtvogel jagt. Es ist schon mehrmals vorgekommen, daß jemand sowohl diesen Jäger als auch diesen Vogel gesehen hat. Ein großer Herr z. B. liebte es, an jedem Sonntag vor der heiligen Messe auf die Jagd zu gehen. So ging er nun auch einmal auf die Jagd und streifte herum und konnte nichts erjagen. Mittlerweile war es Zeit geworden zur Messe zu gehen, da zeigt sich plötzlich eine schwarze Wolke am Himmel und es beginnt in der Ferne zu donnern. Der Herr schaut auf und sieht am Ufer des Flnfses einen seltsamen großen schwarzen Vogel, der traurig und mit hängenden Flügeln ans einem Steine sitzt. Er denkt bei sich: hab ich gar nichts erjagt, so will ich wenigstens dieses Thier erlegen. Da erinnert er sich, daß er schon seit sieben Jahren eine geweihte Kugel in seiner Jagdtasche bei sich trägt. Er zieht also das frühere Geschoß aus seiner Flinte und ladet sie mit der geweihte» Kugel, dann drückt er los: Paff! da liegt auch schon das Vogelthier auf der Erde. Er kommt näher heran, hebt den Vogel auf und betrachtet ihn von allen Seiten, denn er hat noch niemals einen solchen gesehen. Er denkt bei sich: Schade um das Geschoß! ein so häßliches Thier ist's. Da schreit plötzlich Jemand hinter ihm: „Bedanre es nicht, Herr! Schon sieben Jahre gehe ich ihm nach und konnte ihn nicht erjagen, obwohl ich doch so oft nach ihm geschossen. Wie du auf ihn gezielt hast, so habe ich nach dir gezielt, und hättest du ihn nicht erlegt, so hätte ich dich gefällt." Da erschrack der Herr fürchterlich; er sieht sich um und da erblickte er vor sich einen Bauer, so groß wie ein Baum, mit einer Flinte, so groß wie ein Baumklotz. Das war der Donnerer, der immer nach diesem häßlichen Gevögel jagt, und diese Vögel heißen „Latawce", weil sie ungemein schnell fliegen (lata«: — fliegen). Der Donnerer nahm jenen Herrn bei der Hand und sprach noch lange mit ihm. Sie besahen gegenseitig ihre Flinten, dann sagte er dem Herrn, er möge nie mehr am Sonntag auf die Jagd gehen und flog davon wie der Wind. Wer die Flinte des Donnerers versuchen wollte, der könnte es wohl thun, nnr müßte er sich vorher einen eisernen Reif um den Kopf legen, sonst würde dieser infolge des Knalles in Stücke zerspringen. Der Volkshumor hat sich jedoch Douuer und Blitz ganz anders erklärt. Jesus hatte einstmals dem heiligen Petrus auf das Strengste aufgetragen, keinen einzigen Ketzer in den Himmel einzulassen. Bald darauf starb der erste Ketzer. Er kannte den Richterspruch des Heilands sehr wohl, daß, wer sich auf Erden von ihm losgesagt habe, der anch im Himmel nicht mit ihm thronen könne. Aber ein Ketzer ist eben ein Ketzer, dünkelhaft, also geht er ganz munter auf das Himmelsthor los und hämmert, daß es ein Gränel ist. Der heilige Petrns, das Alterchen, öffnet das Thor (denn wer könnte erwarten, daß ein Ketzer so dreist
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Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild Galizien, Band 19
Titel
Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
Untertitel
Galizien
Band
19
Herausgeber
Erzherzog Rudolf
Verlag
k.k. Hof- und Staatsdruckerei, Alfred von Hölder
Ort
Wien
Datum
1898
Sprache
deutsch
Lizenz
PD
Abmessungen
16.48 x 22.34 cm
Seiten
920
Schlagwörter
Enzyklopädie, Kronländer, Österreich-Ungarn
Kategorien
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