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Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild - Galizien, Band 19
Seite - 294 -
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294 Damals lebte in Kruszwiea am Goplosee ein armer Landmann, Namens Piast , welcher auch das Radmacherhandwerk betrieb. Als die Beschneidung seines Sohnes Ziemowit gefeiert wurde, da traten zwei Reisende, es waren wohl Engel, in sein Haus, welche von Popiel abgewiesen worden waren. Da sie freundliche Aufnahme fanden, vermehrten sie in wunderbarer Weise die Speisen und den Meth und verkündeten dem Piast eine große Zukunft. Piast wurde zum Könige gewählt; sein Geschlecht nahm den polnischen Thron ein und erlosch erst mit dem Tode Kazimirs des Großen (1370). Ein Urenkel Piasts war Miee is lans I., der erste Herrscher Polens in historischer Zeit. Die Sage erzählt, daß er blind auf die Welt gekommen und erst bei seiner Beschneidung in seinem siebenten Lebensjahre durch ein Wunder sehend geworden sei. Die anwesenden heidnischen Priester weissagten dem Vater daraus, daß durch Miecislaus ein großes Licht sich über Polen ergießen werde. Das bewahrheitete sich, da der König die Taufe annahm und sein ganzes Volk dem Christenthums zuführte. Auch von den späteren Polenkönigen wurde mehr als Einer zum Gegenstand der Volkssagen. Zu den populärsten unter ihnen gehörten Kazimir der Große (1333 bis 1370) und Johann III. Sobieski, der Befreier Wiens (1674 bis 1696). Aus den Zeiten nach der Theilung Polens sind Koöeiuszko und Fürst Josef Ponia towski im Volksliede verherrlicht worden. Von Napoleon I. sagt der Volksmund, daß er ein großer „Knsijas" (Verführer) Gottes und der Menschen war. Heute steht das Schloß auf dem Wawel sowie auch die Kathedrale, wo so viele Königsgräber und Denkmäler sich befinden, verödet. Allein unter diesem Schlosse befindet sich im tiefsten Herzen des Wawel, in der Erde, der Volkssage nach, ein eben- solches Schloß, nur ist es nicht so düster und gruftmäßig wie jenes ober dem Erdboden, es ist hell, heiter, prächtig, so wie es das andere ehemals war. Darin befindet sich ein großes Gewölbe, gleichsam eine Kirche, und da gibt es viel Gewaffen, Schilde, Säbel, Banner und jegliches Rüstzeug. In der Mitte steht ein Tisch und um denselben sitzen alle polnischen Könige in ihren Krönungsgewändern: Lech, Krakus, Wanda, Piast, Miecislaus, Boleslaus der Tapfere, Kazimir der Große, Stefan Bäthory, Sobieski und alle anderen. Einmal im Jahre hört man unterirdisches Pscrdegetrabe, Trompetenschall und Getümmel, dann steigt einer der Herrscher, der Annahme nach Boleslaus der Tapfere, um Mitternacht aus der unterirdischen Beste, schreitet mit eisernem Schritt über die großen Höfe des verödeten Schlosses, in der Hand ein gleißendes Schwert, so groß, wie das eines Erzengels. Wer gut ist, vermag den so dahinschreiteudeu König zu erblicken und empfindet im Herzen unaussprechliche Freude; wer aber böse ist, der wird den König gar nicht gewahr und ein solcher Schreck erfaßt ihn, daß er als Leiche umsinkt.
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Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild Galizien, Band 19
Titel
Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
Untertitel
Galizien
Band
19
Herausgeber
Erzherzog Rudolf
Verlag
k.k. Hof- und Staatsdruckerei, Alfred von Hölder
Ort
Wien
Datum
1898
Sprache
deutsch
Lizenz
PD
Abmessungen
16.48 x 22.34 cm
Seiten
920
Schlagwörter
Enzyklopädie, Kronländer, Österreich-Ungarn
Kategorien
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