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Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild - Galizien, Band 19
Seite - 296 -
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296 Den Hagel spalten die Planetiden aus dem Eise, das sie aus dem Eismeer in die Wolken führen. Ehemals stießen die Planetiden dieses Eis in der Stampfmühle, allein mit der Zeit erfanden sie den „Perler", eine Maschine, mittelst welcher ihnen die Arbeit rascher und besser gelingt. Die Planetiden altern in den Wolken, so wie die Menschen auf der Erde; von ihrem Tode jedoch wissen die Volksüberlieferungen nichts zu erzählen. Die Planetiden können den Landwirth vor Hagelschaden schützen; auch können sie Eis und Hagel im Handumdrehen bereiten, indem sie das Wasser irgend eines Teiches oder Sees frieren machen. So erzählt man z. B., daß ein an der Raba wohnender Bauer einmal „Reißen" in den Füßen hatte. Er wendete „alles" dagegen an, allein nichts half. Da rieth ihm jemand, er solle in die Berge gehen und dort im „Meerauge" seine Füße baden. Er ging hin, setzte sich an das User und tauchte die Füße ein. Da kommen ein paar bärtige Kerle in zerrissenen Kitteln, mit ungeheuren Stöcken bewaffnet, herbeigelaufen — wie die Räuber. „Was machst Du da?" rufen sie, da sie den Bauer erblicken. „Was sollt' ich denn machen," sagt er, „in den Füßen reißt's mich und ich bade sie." „Gleich nimm diese Füße aus dem Wasser," rufen sie, „denn es wird ein Frost kommen, der würde sie Dir einfrieren machen." Erschreckt zog er die Füße aus dem Wasser und wartete, was weiter geschehen würde. Die Planetiden aber umkreisen einmal nach dem andern das „Meerauge" und rufen dabei: „Holla! holla! holla!" und so oft sie das rufen, so oft schlagen sie mit ihren Stöcken ins Wasser. Im Nu war schon dickes Eis über das ganze „Meerauge" gebreitet. Die Planetiden zerschlagen dieses nun mit ihren Stöcken, nehmen Stücke davon heraus, legen sie in die Stampfe und auf den „Perler" und verarbeiten sie zu Hagel. Der Bauer, welcher, da sie ihm weiter nichts gesagt hatten, Muth bekommt, fragt die Planetiden, wozu sie das thun. Er erfährt mit Schrecken, daß sie vorhaben, sein Dorf durch Hagelschlag zu bestrafen, weil dort eine Magd ihr Kind auf freiem Felde und nicht in geweihter Erde begraben habe. Nun fängt er an, die Planetiden anzuflehen, sie mögen doch wenigstens seine Felder verschonen, da er arm und krank und zur Arbeit untauglich sei. Nach langem Bitten ließen die Planetiden sich endlich erweichen, hießen ihn aber so schnell als möglich in sein Dorf zurückkehren und an allen vier Ecken seines Feldes Lindenzweiglein einpflanzen. Kaum war der Bauer in sein Dorf zurückgekommen und hatte es so gemacht, als auch schon ein furchtbares Unwetter ausbrach und der Hagel bis aufs Letzte alles zerschlug; nur sein Feld blieb unberührt. Zu den Geistern, welche auf der Erde leben oder in gewissen Augenblicken erscheinen, müssen außer den schon erwähnten „Ertränkern", den „Wunderweibern", den „Mit tagfräule in" und „Mamonen", welche man auch „kleine Göt t innen" (Lo^inki) oder „Teufelinnen" nennt, den „Trnden" und dem „Alten" noch die „Schrecken" (Stracky) aller Gattungen gerechnet werden. Dazu gehören natürlich vor allem die „Teufel", aber auch der „Tod" und die „Büßerseelen".
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Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild Galizien, Band 19
Titel
Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
Untertitel
Galizien
Band
19
Herausgeber
Erzherzog Rudolf
Verlag
k.k. Hof- und Staatsdruckerei, Alfred von Hölder
Ort
Wien
Datum
1898
Sprache
deutsch
Lizenz
PD
Abmessungen
16.48 x 22.34 cm
Seiten
920
Schlagwörter
Enzyklopädie, Kronländer, Österreich-Ungarn
Kategorien
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