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Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild - Bukowina, Band 20
Seite - 292 -
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292 Außer ihrer Muttersprache, dem Großrussischen, bedienen sich die Lippowaner oft und ziemlich geläufig der rumänischen Sprache. Für das Wohlergehen ihrer Stammes- brüder aus aller Herren Länder zeigen sie stets ein großes Interesse und stehen mit denselben, trotz vieler ihnen in den Weg gelegter Hindernisse, durch Boten in Fühlung. Die in Noth befindlichen Stammesbrüder werden von Allen reichlich unterstützt. Hoch in Ehren halten sie jeden älteren Stammesbruder; sie ziehen vor demselben die Mütze ab, vor dem älteren Verwandten aber macht jeder jüngere eine Kniebeugung, „poklon" genannt, bei welcher man sich so tief beugt, daß mit der Stirne fast die Erde berührt wird. Die Hand küßt man nur dem Geistlichen. Ihre Häuser bestehen durchwegs aus Holz, sind in der Regel mit einem Schindeldache gedeckt und werden durch das Vorhaus in zwei Theile getheilt. Aus dem Vorhause geht man rechter Hand in das Wohnzimmer und links in die Küche. Links von der Küche, unter demselben Dache befindet sich die Stallung sammt Wagenschoppen. In einer vorderen Ecke des Wohnzimmers sind die Heiligenbilder und vor denselben Öllampen angebracht. Auch in der Küche befinden sich — freilich minder werthvolle — Heiligenbilder sammt Öllampe. An der Westwand des Wohnzimmers befindet sich das tannenhölzerne Ehebett, welches vor neugierigen Blicken mittelst eines rothen Vorhanges geschützt wird. Längs der Nord- uud Ostwand stehen Holzbänke und davor ein manchesmal angestrichener Tannentisch. In der Küche steht gleich beim Eingange der Feuerherd sammt dem Backofen, welcher letztere im Winter als Schlafstätte benützt und deshalb auch mittelst eines rothen Vorhanges verdeckt wird. Die verwitweten Lippowaner Priester, deren Bildung nicht über die Kenntnisse des Lesens und Schreibens in der Muttersprache und des Kirchenrituals hinausreicht, dürfeu keinen Seelsorgedienst versehen, sondern müssen Mönche werden. Doch sind Fälle vor- gekommen, daß sich solche Priester wieder verheirathet haben. Ihre Mönche stehen auf einer noch niedrigeren Bildungsstufe, denn die meisten können wohl die Kirchenbücher lesen, nicht aber auch schreiben. Einer ihrer Mönche namens Nikolai Czerniszew gab vor einigen Jahren die genannte Zeitschrift in Kotomea (Galizien) heraus, um ihre von der Welt angefochtenen religiösen Grundsätze zu vertheidigen. Denselben Zweck verfolgt heute die wieder von Czerniszew ebendaselbst herausgegebene Zeitschrift .vreniiha Kuss-. Auch der zu den Lippowanern übergetretene Jude Michails Karlowicz hat vor einigen Jahren in drei Bänden, wovon ein Band in Petersburg, zwei aber in Ezernowitz gedruckt wurden, die Religion derselben, freilich nicht sehr zutreffend, zu rechtfertigen gesucht. Die Kleidung der Mönche besteht in einem langen mit einem pelerinartigen, roth oder blau umsäumten Kragen versehenen schwarzen Talar. Als Kopfbedeckung dient ihnen eine schwarzsammtene, kegelförmige Mütze, worüber beim Kirchgange eine schwarze Kapuze
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Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild Bukowina, Band 20
Titel
Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
Untertitel
Bukowina
Band
20
Herausgeber
Erzherzog Rudolf
Verlag
k.k. Hof- und Staatsdruckerei, Alfred von Hölder
Ort
Wien
Datum
1899
Sprache
deutsch
Lizenz
PD
Abmessungen
15.14 x 21.77 cm
Seiten
546
Schlagwörter
Enzyklopädie, Kronländer, Österreich-Ungarn
Kategorien
Kronprinzenwerk deutsch
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