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Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild - Bukowina, Band 20
Seite - 320 -
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320 Die Armenier. Ununterbrochene Einfälle räuberischer Völkerschaften in Armenien veranlaßten zahl- reiche armenische Familien ihr hartbedrängtes Vaterland zu verlassen und nach dem fernen Westen zu ziehen. So kamen viele Armenier auch nach der Bukowina, wo sie sich nm das Jahr 1418 niederließen. Heute findet man sie überall im Lande zerstreut; in compacten Massen aber leben sie hauptsächlich in der Stadt Snczawa, wo sie seit altersher vier schöne Steinkirchen haben, dann im Marktflecken Gurahumora, wo sie vor einigen Jahren eine zierliche Manerkirche entstehen ließen. Suezawa ist der Brennpunkt des gesammten kirchlich-nationalen Lebens der Bnko- winer Armenier. Hier haben dieselben einen zwölfgliedrigen von der National-Versammlung auf drei Jahre gewählten »koku x>ai-t?utiuii« genauuteu Cultusrath. Dieser leitet durch den Präsidenten alle kirchlich-nationalen Angelegenheiten der Pfarrgemeinde, handhabt über die Priester und das sonstige Kirchen- und Schulpersonale das Disciplinarrecht, schlägt der Gemeinde Priestercandidateu zur Wahl vor und empfiehlt den also Gewählten dem Bischöfe zur Ausweihe. Einen eigenen Bischof haben übrigens die orientalischen Bnkowiner Armenier nicht, da ihre Zahl heute schon auf 600 Seelen zusammengeschmolzen ist; sie unterstehen dank der großmüthigen Gnade des unvergeßlichen Kaisers Josef II. in spirituulibus dem armenischen Patriarchen vonConstantiuopel und mit diesem demKatholikos vonEtschmiadzin, eine Begünstigung, die in unserem lieben Vaterlande Österreich ohne Beispiel ist. Die 900 mit der katholischen Kirche uuirten Armenier der Bukowina besitzen in Czernowitz eine schöne den Apostelfürsten Petrus und Paulus gewidmete Mauerkirche und unterstehen in religiösen Angelegenheiten dem Czernowitzer Pfarrer und Suczawer Administrator und mit diesen dem armenisch-katholischen Erzbischofe in Lemberg. Diese Armenier haben größtenthejls ihren ursprünglichen Typus eingebüßt, die nationalen Sitten und Gebräuche und ihre Muttersprache vergessen und die polnische als solche angenommen. Sie bilden eine separate Nation der sogenannten „Armeno-Polen" und nur ihre in armenischer Sprache gelesene Messe erinnert dieselben, daß sie eigentlich Armenier sind; doch ist die Zeit nicht mehr ferne, in der sie dem Polenthnme auch die armenische Messe opfern werden. Die gottesdienstliche und außerdienstliche Kleidung der armenisch-orientalischen Geistlichkeit ist der der Griechifch-Orientalen ähnlich, nur mit dem Unterschiede, daß ihre liturgisirenden Priester den das ist einen mit den zwölf Apostelbildern versehenen Metallkragen anlegen, ihr Schuhwerk ausziehen und nur in Socken verbleiben. Ihre Priester und selbst die Diakonen tragen während der kirchlichen Functionen die Mitra, die sie auch bei Ablesung des Evangeliums nicht ablegen. Ihre Bischöfe aber haben die
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Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild Bukowina, Band 20
Titel
Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
Untertitel
Bukowina
Band
20
Herausgeber
Erzherzog Rudolf
Verlag
k.k. Hof- und Staatsdruckerei, Alfred von Hölder
Ort
Wien
Datum
1899
Sprache
deutsch
Lizenz
PD
Abmessungen
15.14 x 21.77 cm
Seiten
546
Schlagwörter
Enzyklopädie, Kronländer, Österreich-Ungarn
Kategorien
Kronprinzenwerk deutsch
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