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Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild - Bukowina, Band 20
Seite - 326 -
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326 Seife- und Käsebereitung. In letzter Zeit aber beschränken sie sich mehr auf die Pachtung und Bearbeitung der Privat- und Religionsfondsgüter. Fast ein Drittel des gesammten Privatgroßgruudbesitzes befindet sich in ihren Händen. Einst vermittelten sie den gesammten Handel zwischen Ost und West, und ihre Handelszüge hatten ein echt orientalisches, karawanenähnliches Gepräge. Die Theilnehmcr solcher Züge rüsteten sich monatelang dazu; wenn Alles bereit stand, schwangen sie sich, mit der kurzstieligen, geflochtenen Lederpeitsche versehen und dem breiten, mit ganzrandigen Ducaten vollgefüllten »kimir« genannten Ledergürtel umgürtet, auf das Roß. Zur Sicherheit der Gelder, der Waaren und des eigenen Lebens wurden im Gürtel stets scharfgeschliffene Dolche und in den Satteltaschen wohlgeladene Pistolen mitgeführt. Hinter dem polsterartigen, mit schwarzem Safianleder tapezierten Sattel lag der von Waaren, Wäsche und Proviant strotzende Doppelledersack nebst Wettermantel. So wurden tagsüber viele Meilen Weges ohne Rast zurückgelegt, am Abend hielt man Einkehr und erfreute sich an einer reichbesetzten, gemeinsamen Tafel. Beim Handel Pflegt der Armenier die rechte Hand des Kunden mit einer Hand fast gewaltsam zu drücken und dann darauf mit der anderen zu schlagen, um gleichsam die Zuneigung des Kauflustigen zu gewinnen. Nach abgeschlossenem Geschäfte wird die Hand des Kunden zuerst in die Höhe gehoben, dann geschwungen und erst nach den Worten: „Gott gebe Glück!" fallen gelassen. Die armenischen Häuser haben hohe, spitze Dächer, welche mit zwei, gewöhnlich an der Ostseite befindlichen, die Stelle der Schornsteine vertretenden Dachlucken versehen sind. Zur Verzierung des Daches werden an den Ecken des Dachkammes zwei gedrechselte blitzableiterähnliche, meterhohe Holzstangen angebracht. Die qnadratförmigeu, ziemlich hoch- gehaltenen Häuser, ebenso die großen Hofräume, in deren Mitte sie gewöhnlich erbaut sind, wie auch die Straßen ihres Viertels werden rein gehalten. Die aus mehreren Wohn- räumen bestehenden Häuser sind mit langen, orientalischen Divans, die als Sitz- und Schlafstätte dienen, und auch mit modernen Möbeln recht behaglich, ja selbst luxuriös, doch nicht überladen eingerichtet. Die Bauart ihrer Häuser, welche ohne einen rings um das Haus führenden hölzernen Gang oder wenigstens eine von hölzernen oder steinernen Säulen getragene Veranda undenkbar sind, haben die Armenier von den Rumänen entlehnt. Im Schatten dieses Ganges oder der Veranda sitzt im Sommer während der heißen Nachmittagsstunden der starkbehaarte, hie und da noch in lange, faltige, orientalische Gewänder gehüllte Familienvater. Hier raucht er aus seinem langen, wohlriechenden, mit einer Bernsteinspitze versehenen Weichseltschibuk echt türkischen Tabak, den auch die Frauen hie und da in Zigarrettenform nicht verschmähen. Gerne wird auf der Veranda in langen Pausen der
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Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild Bukowina, Band 20
Titel
Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
Untertitel
Bukowina
Band
20
Herausgeber
Erzherzog Rudolf
Verlag
k.k. Hof- und Staatsdruckerei, Alfred von Hölder
Ort
Wien
Datum
1899
Sprache
deutsch
Lizenz
PD
Abmessungen
15.14 x 21.77 cm
Seiten
546
Schlagwörter
Enzyklopädie, Kronländer, Österreich-Ungarn
Kategorien
Kronprinzenwerk deutsch
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