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Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild - Bukowina, Band 20
Seite - 336 -
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336 Am dritten Donnerstage nach den griechisch-orthodoxen Ostern pflegen sich die jungen Zigeunerinnen zu bekränzen und mit rothen Bändern und Münzen behangen von Haus zu Haus zu gehen und beim Gesänge einer alten Stammesgenossin zu tanzen. Daraus werden sie, damit es im Sommer hinreichend regne, von der Hausfrau mit einem Topf voll Wasser übergössen und mit einer Geldmünze, mit Mehl oder einem alten Kleidungsstücke beschenkt. In der Bukowina gehören die Zigeuner fast ausschließlich der griechisch-orthodoxen Kirche an, sind aber keine sehr guten Christen. Sie bringen es höchstens so weit, daß sie sich nothdürftig bekreuzen können, ohne aber die Bedeutung des heiligen Kreuzes und die nöthigen Gebete zu kennen. In der Kirche pflegt man sie höchst selten zu sehen, weshalb es zum Sprichworte geworden ist, daß sie nicht in die Kirche gehen, sondern dahin zur Taufe nnd zur letzten Einsegnung getragen werden. Die Beichte meiden sie und, wenn sie dennoch, die anderen Ortsinsassen nachahmend, in den Beichtstuhl treten, so verschweigen sie die schweren Sünden. Ihrer Kirche halber werden sie von den Rumänen oft geneckt. Die Zigeuner, so behaupten die letzteren, hätten einmal, um ebenfalls eine Kirche zu besitzen, eine solche aus .dalinos«, das ist einem Gemisch von Kukuruzmehlbrei, Schafkäse und Butter, ausgebaut und statt der Glocken ganze Borstenviehköpfe sammt Zungen im Glocken- thurme aufgestellt. Als sie aber einstmals stark hungerten, da hätten sie ihre ganze Kirche sammt den Glocken aufgegessen und seit jener Zeit besäßen sie keine eigene Kirche mehr. Die Zigeunerinnen pflegen ihren Kindern den bösenBlick, denSchrecken :c. abzusprechen, doch erst, nachdem dieselben ein Jahr alt geworden. Früher dies zu thun, wird als eine große Sünde angesehen. Die heranwachsenden Kinder werden wenig oder gar nicht beaufsichtigt, sondern sich selbst überlassen. Die Zigeunermädchen fangen am Tage des heiligen Johannes Fledermäuse ein, geben dieselben in mit neun oder sieben Löchern versehene Gefäße und stellen dieselben auf Ameisenhaufen, worauf sie sich schleunigst entfernen, um nicht das Schreien der von den Ameisen angegriffenen Fledermäuse zu hören, da sie sonst taub werden könnten. Nachdem die Ameisen die Fledermäuse verzehrt haben, nehmen sie die übrig gebliebenen Gebeine, pulverisiren dieselben und geben dieses Pulver den auserkorenen Burschen in den Speisen zum Essen oder in Branntwein zum Trinken und glauben, daß der betreffende Mann sie dann heiraten werde. Um die Liebe der Männer zu gewinnen, pflegen ferner die Zigeunermädchen einen Fetzen vom eigenen Kleide sammt einigen Kopfhaaren zu verbrennen und die Asche davon dem Auserkorenen zum Trinken zn geben, in dem festen Glauben, daß jener dann in heftiger Liebe zu ihnen entbrennen werde. Die Zigeunerbrautleute pflegen eine Woche oder wenige Tage vor der Trauung die Zukunft zu befragen, um zu erfahren, ob sie Nachkommen haben werden. Zu dem Zwecke stellen sie am Ufer eines fließenden Gewässers zwei brennende Kerzen auf und wachen
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Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild Bukowina, Band 20
Titel
Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
Untertitel
Bukowina
Band
20
Herausgeber
Erzherzog Rudolf
Verlag
k.k. Hof- und Staatsdruckerei, Alfred von Hölder
Ort
Wien
Datum
1899
Sprache
deutsch
Lizenz
PD
Abmessungen
15.14 x 21.77 cm
Seiten
546
Schlagwörter
Enzyklopädie, Kronländer, Österreich-Ungarn
Kategorien
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