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Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild - Bukowina, Band 20
Seite - 337 -
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337 daselbst. Werden nun die Kerzen vom Winde sogleich ausgelöscht, so wird ihre Ehe kinderlos sein. Um aber doch Kinder zu bekommen, werfen sie Eier und Äpfel ins Wasser. Wenn die Zigeunerbraut zur Trauung geht, umwickelt sie sich den linken Fußknöchel mit ungesponneuem Hanf, damit sie in ihrer Ehe keine Noth leide. Während der Tranuug halten manche Bräute ein Geldstück unter der Achsel, um im Eheleben vor Unglück gefeit zu sein. Beim Heraustreten aus der Kirche werfen sie dieses Geldstück weit vor sich. Wer dasselbe findet, soll es nicht aufheben, denn sonst würde sich das Unglück sieben Jahre an seine Ferse heften. Auf die Einsegnung der Ehe durch den Priester halten die Zigeuner nicht sehr viel, mehr aber auf die von einem alten Stammesgenossen unter einer Eiche ausgesprochene Trauungsformel und auf die sie begleitende kurze Ceremonie, wie denn auch die meisten Zigeuner in wilder Ehe leben und auch von ihrer ehelichen Treue und Sittlichkeit blutwenig gesagt werden kann. Die Begriffe von Mein und Dein sind nach ihrer Anschauung ziemlich identisch, daher sind sie immer, bei finsterer Nacht wie am hellen Tage, das Dein zu ihrem Mein umzu- wandeln bestrebt. Aber das also Erworbene bleibt nicht lange in ihrem Besitze, denn es wird in Saus und Braus schnell verthan. Denn sie sind große Freunde fröhlicher Gelage, wobei Musik und Tanz nicht fehlen darf; Sorglosigkeit und leichtlebige Fröhlichkeit liegt ihnen im heißen Blute. Sind die Zigeuner zu Taufen, Hochzeiten oder Kirchweihfesten geladen, so essen sie möglichst wenig, um nicht den Verdacht aufkommen zu lassen, daß sie zu Hause Noth leideu und seit lange nichts gegessen haben. Dafür aber trinken sie desto mehr, wodurch ihr ohnehin sanguinisches Temperament so aufgeregt wird, daß es dann immer zu Streitigkeiten und blutigen Schlägereien kommt. Überhaupt sind sie zu Zank und Streit gleich bereit, und ist diese Eigenschaft sprichwörtlich geworden, denn man sagt: Jemand sei so streit- süchtig, wie ein Zigeuner! Vor einer solchen Schlägerei streifen sie im Nu ihre Fetzen vom Leibe ab und kämpfen dann ganz nackt. Sie thun dies, um ihre ohnehin nicht sehr festen Kleider zu schonen, da, wie sie richtig bemerken, die verletzte Haut nachwächst, die versetzten Kleider aber nie. Der Kleidermangel verleidet den Zigeunern den Winter sammt seinen Frenden. Diese ihre Kleidernoth im Winter wird trefflich durch folgenden Dialog zwischen einem Zigeuuer und seinem vor Kälte zähneklappernden Sohne veranschaulicht: „Dada, mich friert's, denn ich bin ganz nackt!" „Setze meinen Hut auf!" „Ich zittere auch so vor Kälte!" „So gürte Dir meinen Riemen um!" Die Zigeuner sind im Allgemeinen, von einigen schlechten, verrohten Individuen abgesehen, harmloser, ja, man könnte fast sagen, gutmüthiger Natur. Freilich muß ihnen viel Stolz, Einbildung, Herrschsucht, Rachelust, aber auch eine große Portion Dummheit, Denkfaulheit, Aberglaube, Fatalismus, Uuerfahreuheit und Feigheit zugesprochen werden. Bukowina. 22
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Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild Bukowina, Band 20
Titel
Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
Untertitel
Bukowina
Band
20
Herausgeber
Erzherzog Rudolf
Verlag
k.k. Hof- und Staatsdruckerei, Alfred von Hölder
Ort
Wien
Datum
1899
Sprache
deutsch
Lizenz
PD
Abmessungen
15.14 x 21.77 cm
Seiten
546
Schlagwörter
Enzyklopädie, Kronländer, Österreich-Ungarn
Kategorien
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