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Die Einrichtung der Kammer, welche im Allgemeinen als Vorrathsraum, wohl auch
als Milchgelaß dient, ist im Übrigen ähnlich jener der Wohnstube. Im Vorhause lehnt
eine kurze auf deu Dachboden führende Leiter; es befinden sich ferner daselbst gekrempelter
Flachs und Hanf, Wolle, eine Truhe für Mehl und dergleichen, Fässer und Kannen, die
Handmühle zum Mahlen des Kukurntz, wohl auch Hanfbrecher und sonstige Geräthe unter-
gebracht. Auf dem Dachboden aber sind mitunter Hürden oder Matten zum Trocknen und
Aufbewahren von Obst, sowie Vorrichtungen zum Räuchern des Ziegen- oder Schaf-
fleisches zu finden.
Wie bereits erwähnt, schließt sich an die Westseite des Wohnhauses ein Raum an,
der als Stall oder Schupfen dient und manchmal auch über die Südfront vorspringt; die
Nordseite nimmt häufig ein ebenfalls unter einem Flugdache befindlicher Stallanban für
Kühe, Ochsen und Schafe oder Ziegen, seltener Pferde, ein, welcher mit dem Vorhause
durch ein Thürchen in Verbindung steht. Hie und da besitzt der kleine Landwirth außer
diesen Stallräumen noch ein aufs einfachste errichtetes, in einem besonderen Hofe liegendes
Viehhans. Ein knapper Schweinestall mit Anslausthürchen in den Hof, auf den Dorfweg
oder auf die Hutweide, meist korbartig geflochten, wohl auch ein gleichgestalteter Ziegen-
oder Schafstall, gewöhnlich noch ein winziges, geflochtenes Geflügelhäuschen und der nie
fehlende längliche, mit Holzstreben gegen das Umwerfen durch deu Wind versicherte und
mit Stroh oder dergleichen gedeckte, oft in zwei oder mehreren Stücken vorkommende
Kukurntzkorb bilden mit dem Hundekoben die noch übrigen, an passenden Stellen im Hofe
errichteten Baulichkeiten. Kellerartige Räume sind selten vorhanden.
Den Eingang in das Wohnhaus vermittelt eine schmale, niedrige Thüre, welche
gewöhnlich eines Schlosses entbehrt und blos mit einem innen angebrachten Holzriegel
verwahrt wird. Man schiebt diesen von außen durch ein neben der Thüre angebrachtes,
armdickes Wandloch vor und zurück. Im Gebirge, und namentlich beim Huzulen, erhält
die Thüre ein sinnreich, ganz aus Holz coustruirtes, mit einem hölzernen, zusammen-
legbaren Stechschlüssel zu öffnendes Schloß, wie man es in ähnlicher Weise auch noch im
Pinzgau an den Almhütten antreffen kann. Die Thürbänder bestehen nicht selten bloß aus
Ruthenringen oder sie sind aus Leder hergestellt. Die Fenster bilden einen einzigen kleinen,
verglasten Rahmen, welcher fest in die Wand eingesetzt ist. Im Gebirge gibt es heute noch
viele Wohnhäuser, an denen auch nicht das geringste Stück Eisen vorkommt.
Die Einfriedung besteht in holzreichen Gegenden aus feuzenartig im Zickzack
liegenden Spalthölzern, die zwischen je zwei eingegrabenen und au ihren oberen Enden
mit geflochtenen Holzringen zusammengehängten Säulen eingezwängt sind, manchmal auch
aus Blockholz. Sie ist wohl auch dem sogenannten Steckenzaune ähnlich, wie er beispiels-
weise im Salzburgischen vorkommt, und zwar ist sie dann aus in die Erde bockartig
Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
Bukowina, Band 20
- Titel
- Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
- Untertitel
- Bukowina
- Band
- 20
- Herausgeber
- Erzherzog Rudolf
- Verlag
- k.k. Hof- und Staatsdruckerei, Alfred von Hölder
- Ort
- Wien
- Datum
- 1899
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 15.14 x 21.77 cm
- Seiten
- 546
- Schlagwörter
- Enzyklopädie, Kronländer, Österreich-Ungarn
- Kategorien
- Kronprinzenwerk deutsch