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eingerammten Pflöcken gebildet, auf welche langes Spaltholz schräge gelagert wird. Im
Flachlande treibt man gespaltenes Holz knapp nebeneinander und versichert es oben durch
eingeflochtene Gerten, oder man stellt, was am häufigsten vorkommt, einen Flechtzann
her, der an einzelnen Pflöcken oder an vorhandenen Weidenbäumen seinen Halt findet und
sich wohl nach oben hin zu einem schmalen, mit Rasenziegel oder dergleichen bedeckten Dache
verbreitert. Erst in neuester Zeit verwendet man Bretter- oder Lattenzäune. In der holz-
armen Gegend am Dniestr, woselbst aus Mangel an Brennmaterial Maisstengel und Schilf-
rohr, das gleich Reisig manchmal auch zur Verbesserung der Wege dient, ja sogar an den
sonnenseitigen Gebäudewänden und Hofmauern getrockneter Dünger für die Feuerungen be-
nützt werden muß, Bausteine aber in genügenderMengevorhanden sind, wird die Einfriedung
als Mauer hergestellt, manchmal auch aus den stärken Stengeln der Sonnenblume. Aus
Wall und Graben bestehende Einfriedungen kommen ebenfalls im Flachlande häufig vor.
Hof, Viehauslauf und der etwaige Vorhof sind gegen den Dorfweg, den Nachbar,
den Garten oder gegen die Feldstücke zu nmzännt. Die Verbindung in den Einfriedungen
wird durch einfache Flecht- oder Lattenthore für Fuhrwerk und Vieh hergestellt, während
Fußgänger einen bis anf die halbe Höhe der Einfriedung herabreichenden, thürbreiten
Einschnitt mittelst vorgelegter, als Stufen dienender Steine oder Holzböcke übersteigen
müssen. Ist vor dem Thore eine Brücke über den etwa vorhandenen Wasserabzugsgraben
nöthig, so besteht diese, je nach dem verfügbaren Material, aus Stein, Holzbalken, wohl
auch aus Flechtwerk oder aus einem ausgehöhlten halben Banmstamme. Brunnen werden
ebenfalls gerne mit einem hohlen Baumklotze, wohl auch mit Flechtwerk eingewandet.
Im Hofe befinden sich Geschirrständer — gewöhnlich aus einem dürren Fichtenstämmchen
bestehend — größere Hanfbrecher u. f. w.; in dem Schupfen neben einfachen Fahrzeugen,
Feldgeräthen und Werkzeugen oft Fangkörbe und Netze für Fische.
Im Großen und Ganzen und namentlich gelegentlich der zahlreichen Feiertage, die
das Volk in strengster.Weise begeht, herrscht auf der Hofstätte Reinlichkeit und Ordnung,
insbesonders hält man das Wohnhaus in stets sauberem Zustande; mindestens zweimal
des Jahres bessert das Weib den Wandbewurf aus und tüncht ihn. An unverputzten
Wohnhäusern werden häufig die Balkenköpfe mit Kalkmilch angestrichen, sowie die Fugen
zunächst der Fenster und Thüren verschmiert und getüncht.
Auch Schmuckformen findet man an dem einheimischen, selbst dem kleinsten Bauern-
hause in bescheidener Weise verwendet. Da schneidet der Huzule, der seinen Stolz im
Allgemeinen in die exacte Bearbeitung des Holzes setzt, die Köpfe der oberen, vorkragenden
Wandbalken treppenförmig oder in anderer Weise aus; der Rutheue im Flachlande stellt
mit größter Sorgfalt sein hohes Strohdach her, an welchem er die einzelnen Schichten
durch scharfe Abtreppungen zur Geltung bringt und wohl auch Figuren, wie namentlich
Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
Bukowina, Band 20
- Titel
- Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
- Untertitel
- Bukowina
- Band
- 20
- Herausgeber
- Erzherzog Rudolf
- Verlag
- k.k. Hof- und Staatsdruckerei, Alfred von Hölder
- Ort
- Wien
- Datum
- 1899
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 15.14 x 21.77 cm
- Seiten
- 546
- Schlagwörter
- Enzyklopädie, Kronländer, Österreich-Ungarn
- Kategorien
- Kronprinzenwerk deutsch