Seite - 350 - in Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild - Bukowina, Band 20
Bild der Seite - 350 -
Text der Seite - 350 -
350
Zur Unterbringung von Vieh, namentlich der Pferde, ferner von Gerathen und
laudwirthschaftlichen Erzeugnissen sind nun besondere, mehr oder weniger umfangreiche
Gebäude nöthig, welche, wo nicht Bauholz sehr billig zu haben ist, größtenteils geflochten
oder, wie in der Dniestrgegend, mit steinernen Wänden erbaut werden. In den getreide-
reichen Bezirken kommen besondere Fruchtkammern vor, wo das Korn in geflochtenen Stroh-
körben aufbewahrt wird; es sind hier ferner die Höfe mit Kornfeimen und Strohtristen
besetzt. Auch der holländischen, vornehmlich zur Bergung der Heuvorrüthe dienenden Feime
mit beweglichem Dache begegnet man, und zwar in der ganzen Bukowina, ziemlich häufig.
Die umfangreichen Colonisirungen unter Kaiser Josef ll. boten den Verwaltungs-
behörden oft bedeutende Schwierigkeiten, da neben vielem anderen auch für die Herstellung
der nöthigen Baulichkeiten in den zu jener Zeit ziemlich unwirthlichen Gegenden gesorgt
werden mußte. Selbstverständlich paßte man die Gebäude einestheils den Bedürfnissen
und Gewohnheiten der Ansiedler an, andererseits hatte man aber bezüglich der Ausführung
derselben dem Klima, dem Baumaterial und allen sonstigen örtlichen Verhältnissen
Rechnung zu tragen. So war es denn naheliegend, die Häuser der Colouisten, zu welch
letzteren die Deutschen das Hauptcontingent stellten, nach dem sogenannten fränkischen
Bauernhaus-Typus zu errichten, welche Hausform in Österreich, zum Theile noch im Lande
unter der Enns, vornehmlich aber im Böhmerwalde, Erzgebirge und dergleichen ihr altes
Bild zeigt, beispielsweise auch bei den Polowzen in Ungarn, bei den Wenden im Spree-
walde n. s. w. zu finden ist. Noch existirt ein von Johann Budiuszky gezeichneter Plan
eines kleinen Bukowiner Colonistenhauses.
Die älteren Wohnstätten der deutschen Ansiedler erscheinen im Blockbau errichtet;
erst in neuester Zeit werden die Häuser hie und da gemauert, zumeist aber im Riegelbau
mit eingeschobenen Staken hergestellt und verputzt. Das hiesige deutsche Bauernhaus ,
zu welchem gewöhnlich 10 bis 15 Hektar Grundstücke gehören, kehrt dem Dorfwege seine
Schmalseite zu und ist von demselben durch ein Zier- und Gemüsegärtchen getrennt. Der
Eingang befindet sich an der mehr oder weniger gegen Süden oder Osten gekehrten Lang-
seite und führt in das oft gleichzeitig als Küche dienende Vorhaus, in dessen Hintergrunde
der hie und da noch offene Herd mit Räuchervorrichtung unter einem Mantelbaume steht.
Manchmal ist das Vorhaus vom Herde durch eine Wand getrennt. Vom ersteren aus gelangt
man einerseits in die verhältnißmäßig geräumige, der Straße zugekehrte, zumeist stuckirte
Wohnstube, die gassenseitig zwei, gegen den Hof zu aber ein drittes Fenster besitzt.
Gewöhnlich liegt neben der Stube noch eine Kammer mit einem Fenster gegen die Straße;
diesfalls ist hinter dem Vorhause eine besondere Küche angeordnet, welche hauptsächlich
als Sommerküche dient. Sie besitzt an der Hinterwand des Hauses ein Fenster gegen den
Obstgarten oder Nachbargrund zu und enthält den Backofen und Waschkessel. Die Stube
Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
Bukowina, Band 20
- Titel
- Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild
- Untertitel
- Bukowina
- Band
- 20
- Herausgeber
- Erzherzog Rudolf
- Verlag
- k.k. Hof- und Staatsdruckerei, Alfred von Hölder
- Ort
- Wien
- Datum
- 1899
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 15.14 x 21.77 cm
- Seiten
- 546
- Schlagwörter
- Enzyklopädie, Kronländer, Österreich-Ungarn
- Kategorien
- Kronprinzenwerk deutsch